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"Man muß das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns herum immer wieder gepredigt wird. Und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse." Johann Wolfgang von Goethe |
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"Falls die wichtigsten Ölleitungen der Region weiterhin durch russisches Territorium zum russischen Absatzmarkt am Schwarzen Meer in Noworosijsk verlaufen, werden sich die politischen Konsequenzen, auch ohne dass die Russen die Muskeln spielen lassen, bemerkbar machen. Die Region wird eine politische Dependance bleiben und Moskau darüber entscheiden können, wie der Reichtum der Region verteilt werden soll. (..) Amerikas primäres Interesse muss folglich sein, mit dafür zu sorgen, dass keine einzelne Macht die Kontrolle über dieses Gebiet erlangt und dass die Weltgemeinschaft ungehindert finanziellen und wirtschaftlichen Zugang zu ihr hat. Geopolitischer Pluralismus wird nur dann zu einer dauerhaften Realität werden, wenn ein Netz von Pipeline- und Transportrouten die Region direkt mit den großen Wirtschaftsknotenpunkten der Welt verbindet, über das Mittelmeer und das Arabische Meer ebenso wie auf dem Landweg." |
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"Die Fortdauer der amerikanischen Vorherrschaft ist sowohl für das Wohlergehen und die Sicherheit der Amerikaner als auch für die Zukunft von Freiheit, Demokratie, freier Marktwirtschaft und internationaler Ordnung in der Welt von zentraler Bedeutung." |
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"Richard Falk, Professor für internationale Politik in Princeton hat das erklärt. Westliche Außenpolitik, sagt er, "wird in den Medien selbstgerecht und moralisch einseitig dargestellt, mit positiven Bildern westlicher Werte und Porträts bedrohter Unschuldiger, die eine Kampagne unbegrenzter politischer Gewalt rechtfertigen." Der Aufstieg von Rumsfeld und seinem Vertreter, Paul Wolfowitz, sowie seinen Partnern Richard Perle und Elliot Abrams bedeutet, dass ein Großteil der Welt jetzt offen von einem geopolitischen Faschismus bedroht ist, der sich seit 1945 entwickelt und seit dem 11. September beschleunigt hat. Die amtierende Gang in Washington besteht aus authentischen amerikanischen Fundamentalisten. Es sind die Erben von John Foster Dulles und Alan Dulles, jener baptistischen Fanatiker, die in den 50er Jahren das State Department beziehungsweise die CIA leiteten - und Reformregierungen in einem Land nach dem anderen niedermachten (Iran, Irak, Guatemala) und internationale Verträge aufkündigten, wie die Genfer Indochina-Vereinbarungen von 1954, deren Sabotage durch John Foster Dulles direkt zu Vietnam und fünf Millionen Toten führten. Die Twin Tower Attacken sorgten in Bush's Washington sowohl für einen Auslöser wie auch für eine bemerkenswerten Koinzidenz. Pakistans früherer Außenminister Niaz Naik hat enthüllt, dass ihm von hohen amerikanischen Vertretern Mitte Juli gesagt worden sei, dass eine Militäraktion in Afghanistan Mitte Oktober beginnen würde. Außenminister Powell war damals in Zentralasien unterwegs und sammelte schon Unterstützung für eine Anti-Afghanistan Kriegskoalition." - John Pilger: The Truths they never tell us |

Mathias Bröckers 18.01.2002
The WTC Conspiracy XXXI
Die tragische Geschichte von John O'Neill, dem obersten Terroristenjäger der USA, der aus Frustration über die Behinderungen seiner Fahndung nach Bin Ladin seinen Job kündigte und im World Trade Center umkam, schlägt mittlerweile auch in den USA Wellen. Selbst CNN sah sich genötigt, auf diesen Fall und das Buch von Jean-Charles Brisard und Guillaume Dasquie: Bin Laden - la verite interdite, das ihn enthüllte, einzugehen.
Der Experte, den CNN dazu befragte, der ehemalige UN-Waffeninspektor und jetzige Angestellte des Rockefeller-Instituts "Council on Foreign Relations", Richard Butler, brachte keine besondere Mühe auf, die Thesen des Buchs abzulehnen oder zu kritisieren. Das ist desto erstaunlicher, als Brisard und Dasquie u.a. unter Berufung auf John O'Neill behaupten, dass eine mögliche Gefangennahme Bin Ladins verhindert wurde, um amerikanische Öl-Interessen nicht zu gefährden. So wurden O'Neill und seine FBI-Fahnder nach den Anschlägen auf die US-Kaserne in Saudi-Arabien und auf das US-Schlachtschiff "Cole" davon abgehalten, dort und im Jemen nach den Tätern zu fahnden. Und während der Pipeline-Verhandlungen mit der Taliban-Regierung soll deren Angebot einer möglichen Auslieferung Bin Ladins von den US-Vertretern abgeschlagen worden sein - weil die Afghanen in diesem Fall einer höhere Beteiligung an den Pipeline-Gewinnen verlangten. Butler meint im CNN-Interview dazu ziemlich lakonisch:
"Da haben wir das Öl, und das ist eine fundamentale Sache. Diese grundlegende Realität sollten wir nicht aus den Augen verlieren. Die Bevölkerung der Vereinigten Staaten repräsentiert 5% der Weltbevölkerung und verbraucht 40% des Öls der Welt. Deshalb ist Öl eine so wichtige Sache... und es gibt bedeutende Ölvorräte in Zentralasien und der beste Weg, sie ans Meer zu bekommen, wäre eine Pipeline durch Afghanistan zu bauen. Das ist das Netz, und ich glaube, uns werden nicht alle Fakten berichtet. Es wird abgestritten, behauptet, dass bestimmte Treffen nicht stattgefunden haben, obwohl sie tatsächlich stattfanden. Die interessanteste Sache, die diese französischen Autoren berichten, ist, dass sie Archive einsehen konnten. Wir konnten ihren Akzent nicht genau verstehen, aber ich weiß, was das bedeutet: sie hatten Zugang zu Aufzeichnungen diplomatischer Gespräche."
Doch selbst ohne Einblick in Diplomatenprotokolle lässt sich mittlerweile feststellen, dass die Agenda des sogenannten "war on terror" in Afghanistan letztlich aus zwei Buchstaben besteht: Öl! Der auf dem Bonner Petersberg zum Chef der afghanischen Interimsregierung ernannte Hamid Karsai fungierte bei den Pipeline-Verhandlungen mit den Taliban als Berater im Auftrag des US-Konzerns Unocal (Quelle: Le Monde, 5.12.2001). Auch der neue US-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, der Anfang Januar in Kabul eintraf, stand jahrelang ebenfalls auf der payroll des multinationalen Öl-Riesen in Houston. Khalilzad, in Kabul geborener US-Bürger, diente unter Bush Senior als Unterstaatssekretär im Verteidigungsministerium und war als Unocal-Mann von Mitte der 90er Jahre an maßgeblich an den Pipeline-Verhandlungen der Taliban-Regierung beteiligt. Noch 1997, als die Menschenrechtsverletzungen des Regimes schon offensichtlich waren, schrieb er in er Washington Post ganz im Sinne seines Arbeitgebers:
"Die Taliban praktizieren nicht den Anti-US-Fundamentalismus wie der Iran. Wir sollten willens sein, das anzuerkennen und humantiäre Hilfe und internationale Förderung des ökonomischen Aufbaus anbieten. Es ist Zeit für die USA, sich zu re-engagieren."
Bei seiner ersten Pressekonferenz in Kabul bezeichnete Khalizad die Taliban nun freilich als Sponsoren des internationalen Terrorismus und kündigte an, die USA würden ihre Kampagne so lange fortsetzen, bis sie und ihre Alliierten in Bin Ladis Al-Qaida-Netzwerk ausgeschaltet seien. Nun denn, dass auf einer milliardenteuren Großbaustelle keine versprengten Partisanen und potentiellen Saboteure gebraucht werden können, ist eigentlich logisch. Dass es dabei aber primär um die Baustelle und die Geschäftsinteressen der beteiligten Unternehmen geht - und nicht um die Befreiung der Welt von Terroristen -, kann bei der personellen Besetzung der Top-Positionen in Regierung und US-Botschaft nur noch einem Blinden verborgen bleiben.
Und als ob diese Hinweise noch nicht ausreichen würden, um die öltriefende Agenda des Afghanistan-Kriegs zu verdeutlichen, lassen sich auch an der Heimatfront die gut geschmierten Zusammenhänge von Bush-Politik und Öl-Geschäft kaum länger verbergen: "Enrongate", der Skandal um die größte Pleite der US-Finanzgeschichte ( Die Bush-Administration: Full of Energy!), führt geradwegs wieder hinein in den konspirativen Sumpf von Vetternwirtschaft, Korruption und Betrug, den Bush jun. nach seinem dubiosen Wahlsieg dank des war on terror scheinbar abgeschüttelt hatte - und zurück zu seinen eigenen Insider-Geschäften als Direktor von "Harken Energy", einer Öl-Explorationsfirma, Anfang der 90er Jahre.
Wie im Enron- Fall, wo die Direktion vor der Pleite noch schnell Kasse machte, verkaufte auch George W. Bush sein Aktienpaket für knapp eine Million Dollar, wenige Wochen bevor Harken mit Beginn des Golfkriegs "überraschend" Konkurs ging. Wie Enron die Hauptquelle der Wahlkampfspenden von Bush jun. darstellte, zählten die Investoren von "Harken" zu den wichtigsten Finanziers des Seniors. Und wie dort Dokumente über die betrügerischen Transfers verschwanden, wurden Untersuchungen des "Harken"-Insider-Deals von seinem Vater seinerzeit niedergeschlagen, wobei der vom Junior unlängst im Handstreich liquidierte "Freedom of Information Act" die Veröffentlichung von Akten aus dieser Zeit künftig verhindert. So wie die Durchsetzung mit Bush-Männern in den Aufsichts- und Treuhand-Firmen, die jetzt den Enron-Betrug untersuchen sollen, eher für Vernebelung als für Aufklärung sorgen wird.
Tom Flocco und Michael Ruppert haben im 3. Teil ihrer Profits of Death-Serie weitere Parallelen recherchiert, für sie ist der Fall Harken "The Mother of all Enrons". Zwei Banken, Faysal Islamic Bank of Bahrain und das Kuwait Finance House, die seinerzeit in die Geschäfte verwickelt waren, stehen heute auf der Liste der verdächtigen Institute in Sachen Terrorfinanzierung - allerdings nur auf den Listen europäischer Fahnder. Von George W. Bushs Einfrierprogramm blieben sie bis dato verschont. Die beiden in Verdacht geratenen Banken unterhalten ihre Korrespondenzkonten just bei jenem internationalen Großinstitut, dessen US-Ableger A.B.Brown im Zusammenhang mit den Spekulationen vor dem 11.9. unangenehm auffiel: der Deutschen Bank. (siehe Die Spur des Geldes).
Wenn CNN mittlerweile über die Hintergründe der Resignation des Top Bin Ladin - Fahnders John O'Neill berichtet, wäre es dann nicht für ARD & Co. auch an der Zeit, Ermittlungen gegen die Deutsche Bank aufzunehmen?
Mathias Bröckers 26.01.2002
The WTC Conspiracy XXXII
Dass das erste Opfer im Krieg die Wahrheit ist, wird in den Medien zwar immer wieder verkündet, was sie freilich nicht davon abhält, weiterhin Teil- und Un-Wahrheiten über den Krieg als Wahrheit zu verkaufen. Als unabhängige vierte Gewalt im Staate ist die Presse in Kriegszeiten ausgeschaltet, obwohl ihre grundsätzliche Unabhängigkeit in allen demokratischen Ländern durch die Verfassung garantiert ist. Doch die Medien fügen sich selbstkontrolliert, willig und ohne Murren in ihr Schicksal - wäre da nicht der Stachel im Fleisch amerikanischer Bigotterie und Zensur: Larry Flynt.
Dass es nicht Jay Leno oder Letterman, nicht die New York Times oder CNN sind, die wegen Einschränkungen der Berichterstattung über die Kriegführung in Afghanistan das Verteidigungsministerium verklagen, sondern es dem Pornokönig und Herausgeber des Hustler-Magazins Larry Flint vorbehalten bleibt, im "land of the free" die Fahne der Pressefreiheit hochzuhalten, ist ebenso bezeichnend wie peinlich. Peinlich, weil es die verdammte Pflicht der sich "seriös" nennenden Medienorgane gewesen wäre, jede Einschränkungen ihrer Unabhängigkeit zentimeterweise zu verteidigen; bezeichnend, weil es schon 1983 bei der US-Invasion in Grenada niemand anderes als Larry Flynt war, der das Recht seiner Reporter einklagte, die Armee auch bei ihren Kampfhandlungen zu begleiten - und den Prozess verlor. Nach Vietnam, so Flynt in einem Interview mit der "Columbia Journalism Review", hätten die Präsidenten und hochrangige Offizielle begonnen, die Presse als "Widersacher" zu betrachten:
"Reagan marschierte in Grenada ein, Bush senior in Panama und führte dann den Golfkrieg. Und in allen Fällen gab es strenge Restriktionen für die Presse. Afghanistan jetzt ist der Strohhalm, der dem Kamel den Rücken bricht. Die amerikanischen Bürger haben ein Recht zu wissen, wie das Militär diesen Krieg führt. Die Presse hat die Verpflichtung darüber zu berichten. Es ist ein wichtiger Verfassungsgrundsatz. Diese Klage hätte von den Mainstream-Medien geführt werden müssen, nicht von mir. Aber ich denke, die machen sich nur Sorgen darum, wer das nächste Interview mit George und Laura Bush bekommt."
Da sich Flynt einst in einer gerichtlichen Schlacht um die Etablierung des Schamhaars in der US-Presse verdient gemacht hat - was ihm eine sehenswerte Hollywood-Verfilmung seines bewegten Lebens als Schmuddelkönig und Freiheitskämpfer einbrachte -, ist er juristisch wahrscheinlich gut gerüstet und letztlich doch genau der richtige Mann für diese Klage. Schließlich geht es auch dieses Mal um Pornographie, wenn auch nicht der sexuellen, sondern der militärischen Art - und um die Frage, wie viel "Schamhaar" der aufgeklärten Öffentlichkeit im 21. Jahrhundert zugemutet werden darf.
Schon nur die Leichen der in Afghanistan von der US-Armee getöteten Zivilsten zu zählen, gilt ja derzeit den westlichen Medien als "Schweinkram" - wenn wundert es da noch, dass Berichte und Bilder über das vom "war on terror" angerichtete Debakel als "Hardcore" eingestuft und verbannt werden.
Es galt einst als Ausweis des demokratischen Amerika, dass die US-Armee der Presse auch in der Frontberichterstattung eine größtmögliche Freizügigkeit einräumten. Natürlich gab es eine militärische Zensur, um strategische Geheimnisse und die kämpfende Truppe zu schützen, doch noch die Frontgeneräle des 2. Weltkriegs hatten größtes Interesse an einer umfangreichen, möglichst objektiven Berichterstattung - um sich gegen Kritiker an der Heimatfront notfalls mit Pressedokumenten verteidigen zu können. Mit dem Napalm-Terror gegen vietnamesische Bauern - und den in der Heimat protestierenden Medien - schlug diese Haltung in ihr Gegenteil um, und auch das Pentagon machte sich zu eigen, was es bis dato als Öffentlichkeitsarbeit von Diktaturen gebrandmarkt hatte: pure Propaganda.
Der Informationsdienst Strategic Forecasting stellt in seiner Analyse zum Afghanistan-Krieg dazu fest:
"Das Verteidigungsministerium und die Medien haben die Rollen getauscht. Die PR-Offiziere des Militärs, normalerweise die Cheerleader, haben die Rolle des mahnenden Kindermädchens übernommen und erinnern die Medien, dass dieser Krieg lang und hart werden wird; und die Medien sind in die Rolle des Cheerleaders geschlüpft und erschaffen ein Bild des Krieges mit überwältigenden und wiederholbaren Siegen."
So forderte CNN-Chef Walter Isaacson in einem Memo seiner Mitarbeiter auf, die Leiden in Afghanistan herunter zu spielen: es sei "pervers, den Focus zu sehr auf die Zwischenfälle und das Leid in Afghanistan zu richten". Wenn leidende Zivilisten gezeigt würden, dann nur "im Kontext der Terrorattacke, die großes Leid in den USA verursachte". Der CBS Nachrichten-Chef Dan Rather ging noch weiter: "George Bush ist der Präsident. Er trifft die Entscheidungen und wie es sich für einen Amerikaner gehört: wo immer er mich haben will, ich reihe mich ein, sag mir nur wo."
Nach Ansicht eines kritischen Beobachters des verschwundenen unabhängigen US-Journalismus gehört dieses Statement "zum Erschreckendsten, was von einem leitenden Nachrichtenmenschen in der Geschichte des amerikanischen Journalismus je gesagt wurde". Der "Führer" jedenfalls hätte an solchen "Schriftleitern" seine helle Freude gehabt. Und der CBS-Nachrichtendirektor ist beileibe nicht der einzige Medienmacher von goebbelsartigem Kaliber: selbstdenkende Kommentatoren und Kolumnisten sind an der Einheitsfront von Patriotismus und Zensur allenthalben abserviert worden.
Dass freilich ein "Sittenstrolch" wie Larry Flint nicht umgehend ins KZ wandert, sondern den Verteidigungsminister immerhin noch verklagen darf, macht schon noch einen Unterschied zwischen Deutschland nach dem Reichstagsbrand und Amerika nach dem WTC-Anschlag. Dennoch scheint es an der Zeit, für den Politikstil des als "mitfühlenden Konservativen" angetretenen Bush und seine Propagandakompanien einen neuen Terminus zu finden - "compassionate fascism" scheint mir nicht so schlecht ....
Mathias Bröckers 02.02.2002
The WTC Conspiracy XXXIII
Inter arma silent leges - Unter Waffen schweigen die Gesetze. Ciceros berühmtes Diktum aus den großen Zeiten des römischen Imperiums hat im amerikanischen Imperium seine Gültigkeit nicht verloren. Wenn wir uns die Käfighaltung betrachten, mit der Kriegsgefangene heute auf eine Weise behandelt werden, wie sie in ethisch fortgeschritteneren Regionen nicht einmal mehr Hühnern zugemutet wird, könnte man gar ins Zweifeln kommen, ob sich die Zivilisation in den letzten 2000 Jahren überhaupt weiter entwickelt hat.
Zwar ist anders als bei den Römern und Griechen Sklavenhaltung mittlerweile gesetzlich verboten, tatsächlich hat der "zivilisierte" Westen seine rechtlosen menschlichen Arbeitstiere aber nur außer Sichtweite verfrachtet, in die sweatshops der Dritten Welt. Zwar ist, nach allen demokratischen Verfassungen, das Volk der eigentliche Souverän und Korruption gesetzlich untersagt, tatsächlich zeigt Enrongate, dass letztlich derjenige politischen Einfluss hat (und z.B. die Energiegesetze schreibt), der sich die meisten Politiker kauft. Zwar gelten im Namen von Humanität und Menschenrechten Krieg und Gewalt als "ultima ratio", de facto sind sie die Fortsetzung dieser korrupten Politik mit konsequenten Mitteln, denn there's no business like war business.
Inter arma silent mediae - im Zeitalter der römischen Imperatoren spielten die Medien noch keine große Rolle, sonst hätte Cicero dies mit Sicherheit hinzugefügt -, und auch dieses ungeschriebene Gesetz hat unter Kaiser George W. seine Gültigkeit. Wäre da nicht ein kleines virtuelles Dorf, das wie die Gallier in Kleinbonum erbitterten Widerstand gegen die Römer und das lärmende Schweigen der Medien leistet - und auf seinem Marktplatz im Internet ohne Unterlass unterdrückte Nachrichten austauscht.
Wie zum Beispiel Sherman Skolnick, der wie einst "Der Chef" als Kriminalist im Rollstuhl seit Jahrzehnten als "judge-buster" korrupten Richtern und Politikern auf der Spur ist und uns im vierten Teil seiner "Enron - Black Magic"-Serie in eine der Schaltstationen des Amerikanischen Imperiums führt, in der die Gültigkeit der ciceronischen Gesetze sehr wohl bekannt ist: nach Cicero, Chicago. Jenen einst als Al-Capone-Land berüchtigten Stadtteil, in dem der US-Geheimdienst im 2. Weltkrieg die Invasion Italiens einfädelte und den Grundstein für CIA-Mafia-Vatikan-Rattenlinie legte - und in dem als Erzbischof in den 70ern Paul "Gorilla" Marcinkus residierte: als späterer Chef der Vatikanbank einer der schillerndsten Kriminellen, den der Heilige Stuhl je zu seinen Stützen zählte.
Skolnick war schon auf der Spur, als bei der "First National Bank" in Cicero damals Millionen aus den Bilanzen verschwanden (u.a. zur TerrorfFinanzierung) - und die Richter sich aus Gründen der "nationalen Sicherheit" weigerten, den Fall zu untersuchen. Ähnliches geschah 1991, als Kardinal Marcinkus vor einem europäischen Haftbefehl in seine alte Heimat geflüchtet war, wo er einen beschaulichen Lebensabend verbringen konnte. Ein hohes Mitglied der Chicagoer Konkursaufsicht, der als Zeuge vor Gericht zu Betrügereien und gefälschten Bilanzen bei der "First National" aussagen sollte, wurde einen Tag vor Weihnachten erschossen aufgefunden. Als Bilanzprüfer der zum Rockefeller-Imperium zählenden Bank, die häufig den Namen wechselte und als Alter Ego der Geldwäsche-, Terror- und Drogenbank BCCI gilt, fungierte die in Chicago angesiedelte Zentrale des Consultingkonzerns Arthur Andersen, just dieselben Wirtschaftsprüfer, die auch die im aktuellen Enron-Fall die Verluste jahrelang unter der Decke hielten und Akten schredderten.
Dass jetzt mit dem ehemaligen Enron-Vizedirektor Clifford Baxter einmal mehr ein Mann, der zuviel wusste, auf merkwürdige Weise ums Leben kommt, kann natürlich reiner Zufall sein - doch von Tag zu Tag wird offensichtlicher, dass Enron für die US-Mobster letztlich nichts anderes darstellt als Gasprom für die Russenmafia.
Erstere sehen ihre Pfründe freilich nicht nur in den lokalen, sondern in den globalen Ölreserven: Ende der 70er kaufte sich Enron einen Gouverneur, um die texanische Energieversorgung zu "deregulieren", Ende der 90er einen Präsidenten, um derlei Deregulierung nunmehr notfalls mit anderen Mitteln auch in Pipelineistan durchführen zu können. Da die Medien über den Sturz des Enron-Riesen nicht schweigen können, dürfte dabei auch das eine oder andere Licht auch auf die Hintergründe um den 11.9. fallen - und die auf den frisch installierten Präsidenten zurollende ökonomische Depression, die dank des Kriegseintritts jetzt mit einer gigantischen Neuverschuldung überspielt werden kann.
Unterdessen tauchen in den Weiten des Webs auch wieder Nachrichten von Delmart E. Vreeland auf, dem kleinen Agenten des Navy-Geheimdienstes, den wir in der Folge Usama meets CIA porträtiert haben - als möglichen Vorauswisser des WTC-Anschlags bzw. als Möchtegern-James-Bond. Vreeland war in Kanada wegen Betrugs mit falschen Kreditkarten verhaftet worden, hatte angegeben, Mitarbeiter des Geheimdienstes zu sein und verlangt, kanadische Sicherheitsbehörden zu sprechen. Er sei an verdeckten Operationen beteiligt gewesen und wolle über einen geplanten Terroranschlag eine Aussage machen. Da man ihm keinen Glauben schenkte, verfasste er schriftliche Aufzeichnungen und übergab sie im August der Gefängnisleitung zu seinen Akten.
Im Rahmen der Gerichtsverhandlung gegen Vreeland wurde jetzt einer dieser kryptischen Notizzettel mit Vreelands Warnung veröffentlicht - der mit der Liste: "Sears Towers, Chicago ?", "World Trade Center", "White House", "Pentagon?" beginnt.
Während der Verhandlung kam es zu einer weiteren krimireifen Bestätigung dafür, dass es sich bei Vreeland offenbar tatsächlich um einen verdeckten Geheimdienstmitarbeiter handelt - und er keineswegs, wie die US-Navy behauptet, 1986 entlassen wurde. Um die Identität seines Mandanten zu verifizieren führte der Anwalt ein Live-Telefonat aus dem Gerichtssaal: er wählte die Nummer des Pentagon, ließ sich mit dem "Department of Defense" verbinden und fragte nach dem Büro von Lt. Delmart Vreeland. Einen Moment später bestätigte der Operator Vreelands Eintrag, seinen Rang als Leutnant, seine Raumnummer und die Direktdurchwahl. Der Staatsanwalt wollte diesen beeindruckenden Beweis nicht gelten lassen: der (seit Monaten inhaftierte) Angeklagte hätte offenbar Möglichkeiten gefunden, das Telefonverzeichnis des Pentagon über Computer zu manipulieren...
Der Fall Vreeland wird uns also weiter beschäftigen, als ein möglicher Kandidat für das unvermeidliche Leck jeder Großkonspiration. Seine Anwälte sind überzeugt, dass sie das (beim Vorwurf des Kreditkartenschwindels absolut untypische) Auslieferungsbegehren der USA noch Jahre lang hinauszögern, wenn nicht ganz abwenden können. Ob Vreeland in seiner Zelle am Leben bleibt - und weitere Details über sein Vorauswissen offenbaren wird - könnte für die Wahrheitsfindung im WTC-Fall noch von Bedeutung werden. Da Kanada nicht im Krieg ist, schweigen die Gesetze und Medien dort noch nicht so ganz....
Mathias Bröckers 11.02.2002
The WTC Conspiracy XXXIV
Das Buch "Die verbotene Wahrheit" der französischen Autoren Jean Charles Brisard und Guillaume Dasquie, aus dem wir im Zusammenhang mit dem tragischen Tod des Bin Ladin-Jägers John O'Neill schon zitiert hatten ( In Memoriam John O'Neill - der kaltgestellte Jäger Bin Ladins starb im WTC), ist nun auch in deutscher Sprache erschienen ( Pendo Verlag). In der Schweiz versucht ein dort lebender und mittlerweile eingebürgerter Bruder Usamas - Yeslam Bin Ladin - mit einer einstweiligen Verfügung die weitere Auslieferung des Buchs zu verhindern. Am 25. Januar hat er bereits eine einstweilige Verfügung erwirkt.
"Alle Antworten, alle Schlüssel zur Zerschlagung von Usama Bin Ladins Organisation liegen in Saudi Arabien", hatte FBI-Direktor O'Neill in einem Interview mit dem Autoren im Juli 2001 gesagt und auch die Gründe dafür genannt, warum er von seinem Posten als Top-Terroristen-Jäger zurückgetreten war:
"Das größte Hindernis bei den Ermittlungen gegen islamistische Terroristen waren die Interessen der US-Ölkonzerne und die Rolle Saudi-Arabiens."
Wie diese Interessen dazu führten, ein Pipeline-freundliches Regime in Afghanistan zu installieren und bis zum August 2001 in Geheimverhandlungen mit der Taliban-Regierung darüber zu verhandeln, beschreiben die Geheimdienst- und Finanzspezialisten Brisard und Dasquie anhand von Geheimdienstdokumenten, Zeugenaussagen und diplomatischen Quellen im ersten Teil des Buchs. Deutlich wird hier vor allem der Umschwung, den die unter Federführung der UN bis Ende 2000 gut fortgeschrittenen, multilateralen Verhandlungen mit der afghanischen Regierung nahmen, als die Bush-Administration das Weiße Haus übernahm.
Ende September 2000 hatte der stellvertretende Außenminister der Taliban noch einen Vortrag in Washington gehalten und Zugeständnisse bezüglich der Menschrechtsforderungen und des Problems Bin Ladins in Aussicht gestellt - was allgemein als deutliche Erwärmung der Beziehungen gedeutet wurde. Ein Stabilisierung des Landes, die dem Westen so wichtig war, schien unmittelbar bevorzustehen. Doch mit der Amtsübernahme von Bush änderte sich der Ton und die Situation. Neben den Sechs-Plus-Zwei Gruppengesprächen (der Nachbarländer plus USA und Russland) nahm Washington wieder direkte bilaterale Gespräche mit den Taliban auf. "Wohl um nicht aus der Übung zu kommen", bemerken Brisard/Dasquie dazu süffisant. Wenige Monate später, bei einem letzten Treffen in Berlin im Juli 2001, drohte der Vertreter der US-Administration den Taliban dann offen mit militärischen Aktionen.
Im zweiten Teil des Buchs fächern die Autoren ein weiteres Hintergrundszenario auf, das nicht nur für die Aufklärung der Vorgänge um den 11.9., sondern auch für die Eindämmung des Terrorismus in der Zukunft von zentraler Bedeutung ist: die saudi-arabischen Netzwerke des islamischen Fundamentalismus. Die Finanzquellen dieses "Reichs aller Gefahren" speisen sich, neben dem Multi-Milliarden-Imperium der Königsfamilie und ihrer 4.000 Prinzen, vor allem aus dem ebenfalls milliardenschweren Finanz- und Beteiligungsnetz zweier Familien: der Bin Ladin und der Bin Mahfouz.
Der Clanchef Khalid bin Mahfouz (geb. 1928), Gründer und Hauptaktionär der Skandal-Bank BCCI, für deren 1991 aufgeflogenen Geldwäsche-, Drogen - und Betrugsgeschäfte der "Bankier des Terrors" ein Bußgeld von 245 Millionen US-Dollar zahlte, ist mit Usama Bin Ladin nicht nur als Schwager, sondern über mehrere in England, Sudan und Saudi-Arabien ansässige Firmen auch geschäftlich direkt verbunden. Zudem ist er, auch nach Schließung der BCCI, als Finanzmogul die Zentralfigur in dem nach wie vor bestehenden Beteiligungsgeflecht, das die Bank einst mit dem Ziel aufbaute, ein islamisches Gegengewicht zu den Investmentbanken in Wall Street aufzubauen (ähnlich wie die Enron-Betrüger ein texanisches Gegengewicht zu den Finanzjongleuren der Ostküste etablieren wollten). Der luxuriöse Zweitwohnsitz von Khalid Bin Mahfouz liegt seit 1981 passenderweise in Houston, Texas - und schon lange bevor er mit Usama Geschäfte machte, zählte zu seinen Bankkunden die Familie Bush. Auch die Privatkonten des netten Hurensohns von Bush senior - General Noriega - wurden von Mahfouz verwaltet.
Die Familienholding "Saudi Binladin Group", aus der Usama offiziell ausgeschieden ist, ist über eine Vielfalt von Unternehmen und Beteiligungen mit dem Mahfouz-Imperium verknüpft, unter anderem mit der in Genf ansässigen "Saudi Investment Company" (SICO) die Usamas Bruder Yeslam leitet. Yeslam Bin Ladin, der unlängst als Eidgenosse eingebürgert wurde, hat die Auslieferung der deutschsprachigen Ausgabe des Buchs in der Schweiz mit einer einstweiligen Verfügung gestoppt. In Deutschland ist es weiterhin erhältlich und nach Einschätzung des Verlags kann auch die Schweiz bald wieder mit Nachlieferungen versorgt werden.
"Yeslam Bin Laden hatte die Autoren Jean-Charles Brisard und Guillaume Dasquié u.a. der Verleumdung bezichtigt, weil diese den Geschäftsmann namentlich mit Verstrickungen zwischen Usama bin Ladin, angesehenen Finanzfachleuten, dem saudischen Königshaus, Vertretern amerikanischer Ölkonzerne, Mitgliedern der Taliban und der amerikanischen Regierung in Verbindung gebracht haben." - Pendo Verlag
Da die Autoren in diesem Buch alle ihre Quellen streng dokumentieren und sich spekulativen Behauptungen durchweg enthalten, scheint das Buch in der Tat juristisch wasserdicht zu sein - so sehr, dass die präzise Aufzählungen von Namen, Adressen, Beteiligungen, Querverbindungen den unbedarften Leser fast schon wieder verwirrt. Für Kriminalisten und Fahnder aber dürften diese Verbindungen von großem Interesse sein, wenn sie denn, was John O'Neill verwehrt wurde, der Erdölmonarchie am Golf und ihren fundamentalistischen Finanz-Scheichs irgendwann auf die Finger klopfen dürften.
Verglichen mit diesem aus riesigem Ölreichtum gespeisten Finanznetzwerk muten konventionelle Terrorgruppen, wie etwa die deutsche RAF in den 70er Jahren, die sich das Kapital für ihre Aktivitäten zuvor durch Bankraub beschaffen mussten, fast an wie aus der "Räuber Hotzenplotz"-Geschichte entsprungen. Clans wie die Bin Mahfouz oder die Bin Ladin gehören zu den reichsten Familien der Welt - und Brisard/Dasquie räumen in einem weiteren Kapitel mit der Mär auf, dass es sich bei Usama um einen abspenstigen Rebellen und verlorenen Sohn dieser Dynastien handelt.
Wie wenig der Mythos eines Abtrünnigen zutrifft auf Usama Bin Ladin zutrifft, wird schon darin deutlich, dass der erste internationale Haftbefehl auf den angeblich seit Anfang der 90er aktiven Terroristen erst 1998 ausgestellt wurde, beantragt nicht aus Washington, London oder Berlin, sondern aus Tripolis. Die Behörden Gaddafis machten Bin Ladin und Komplizen der "Al Muqatila", einer radikalen Sunniten-Gruppe, für den 1994 begangenen Mord an zwei Mitarbeitern des deutschen Bundesamts für Verfassungsschutz - Silvan Becker und seiner Ehefrau - verantwortlich. Der Hintergrund dieser Geschichte zeigt die Verstrickung des Westens mit ihrem angeblichen Erzfeind. Mit der libyschen Revolution war nicht nur British Petroleum (BP) von den Ölquellen vertrieben worden, zudem stand der Oberst Gaddafi auch für einen liberalen, aufgeklärten Islam - was zu einer Interessenskoalition von islamistischen Fundamentalisten und britischem Geheimdienst führte, der 1996 mit Kämpfern der "Al Muqatila" die Ermordung Gaddafis plante.
Nicht nur in den 80er Jahren, als Bin Ladin das saudische Kontingent von Gotteskriegern gegen die Sowjets in Afghanistan anführte, sondern auch danach arbeitete der Westen eng mit Usama zusammen und nutzte ihn, wenn nicht als direkten Agenten, dann als Werkzeug zur gewaltsamen Durchsetzung seiner außenpolitischen Ziele.
Dennoch hält es Jean Charles Brisard für falsch, Bin Ladin als "Geschöpf der CIA" zu bezeichnen:
"Wenn die Vereinigten Staaten bin Ladin unterstützt haben, so war dies weitestgehend die unbeabsichtigte Folge ihrer eigenen Ambitionen in der Region. Dagegen ist die Unterstützung durch Saudi-Arabien Teil einer bewusst betriebenen, klaren und unmissverständlichen Politik zum Zwecke der weltweiten Stärkung des Islam. Im Lichte dieser Enthüllungen erscheint Usama bin Ladin in erster Linie als ein Produkt des Wahhabismus und als Instrument des saudi-arabischen Königreichs."
Solange allerdings die Terrorförderung dieses Königreichs unantastbar bleibt, um die amerikanischen Geschäfte mit der Erdölförderung nicht zu behelligen, solange die jahrzehntelange Geschäftsverbindungen der ölgetränkten Bush-Administration mit der Saudi-Diktatur ein Tabuthema bleiben - James R.Bath, der sich am Startkapital für George W.Bushs erste Firma beteiligte, war der US-Vermögensverwalter von Salem Bin Ladin und Khalid Bin Mahfouz ! -, solange kann von wirklichen Erfolgen im Kampfe gegen islamistischen Terror kaum die Rede sein.
Mit der Veröffentlichungdes Buches von Brisard und Dasquie ist das Tabu jetzt zumindest auf dem Tisch, in Frankreich schon auf Platz 1 der Bestsellerliste. Von der deutschen Ausgabe wurden nach Angaben des Verlags in den ersten zwei Wochen schon über 20.000 Exemplare ausgeliefert, in den USA ist, wen wunderts, bisher noch kein Verlag gefunden worden. Doch dies wird , bei dem Aufsehen, das das Buch in Europa erregt hat, nicht lange auf sich warten lassen. Dass seine Hinweise nicht nur bei den Lesern, sondern auch bei den Entscheidungsträgern der internationalen Gemeinschaft ankommt, bleibt zu wünschen, denn die Forderung an die USA ist überfällig, in ihrem Krieg nicht nur die Häfen des Terrors trockenzulegen, die auf dem geopolitischen Schachbrett gerade opportun erscheinen, sondern vor allem jene, die für den gefährlichsten Arm des Terrors den materiellen und ideellen Hintergrund liefern.
Obwohl die einstweilige Verfügung gegen die Auslieferung des Buchs nur für die Schweiz gilt und nicht in Deutschland, hat amazon.de den Titel aus seinem Angebot genommen. Bei amazon.fr hingegen ist das Buch noch zu erhalten, allerdings wird es auch bei amazon.com nicht aufgeführt. Ein Leser, der den Titel vorbestellt hatte, erhielt keine Storno-Mail, sondern auf Nachfrage folgende Mitteilung:
"Wir nehmen derzeit keine Bestellungen für den Titel "Die verbotene Wahrheit. Die Verstrickung der USA mit Osama Bin Laden." von Jean-Charles Brisard und Guillaume Dasquie entgegen und haben alle bisherigen Bestellungen dieses Buches storniert. Der Vertrieb ist derzeit für die Schweiz untersagt; als Versandhandel mit Schweizer Kundinnen und Kunden ist uns eine Auslieferung daher nicht möglich auch nicht an Lieferadressen außerhalb der Schweiz. Wir bitten um Ihr Verständnis!"
Bei Amazon ist das Buch mittlerweile spurlos verschwunden, nur noch im Google-Archiv wird man fündig. Erstaunlich, dass Schweizer Recht Einfluss auf die in Deutschland stationierte Filiale eines US-Versandhändlers haben kann. Im regulären Buchhandel in Deutschland ist das Buch problemlos erhältlich.
Mathias Bröckers 18.02.2002
The WTC Conspiracy XXXV
Vor 25 Jahren wurde Bob Woodward zu einem der Heroen des investigativen Journalismus, als er in der "Washington Post" den Watergate-Skandal aufdeckte. Sein Insider-Protokoll zum 11.9. zeigt indessen, dass der Held von einst heute nur noch unkritische Hofberichterstattung betreibt.
Dass ich die offiziellen Erklärungen zu den Vorfällen am 11.9. von Anfang an bezweifelte, war weniger ein vom Verstand gesteuerter Reflex, sondern eher ein gefühlsmäßiges Unbehagen. Irgendetwas schien mir überhaupt nicht zu stimmen, aber ich wusste nicht was. Der verschwörungstheoretische Blick auf die Ereignisse war eher aus dieser Not geboren als aus der Absicht, irgendeine Verschwörung nachzuweisen; eher eine tastender Orientierungsversuch im Nebel, als ein zielgerichteter, planvoller Aufklärungsversuch. Dass sich dieser Kommentar dann zu einer quasi unendlichen Geschichte ausweiten sollten, war weder gewollt noch abzusehen, doch dass es so kam, hat einen ganz einfachen Grund: von Tag zu Tag wurden die Ungereimtheiten der offiziellen Version größer - und die scheinbar "verrückte" verschwörungstheoretische Perspektive erwies sich als weitaus realitätstauglicher und näher an der "Wahrheit" als die "nüchterne", angeblich objektive des Medienmainstreams.
Mittlerweile bin ich überzeugt, dass die eigentlichen Verschwörungstheoretiker des 11.9. nicht bei "Telepolis" und auf verschiedenen Seiten im Internet auftauchten, sondern über CNN, AP, ARD, ZDF, RTL, SPIEGEL, FAZ, BILD... und alle anderen Kanäle publizierten. Bis heute haben sie uns zur Erklärung der Anschläge auf WTC und Pentagon nichts anderes präsentiert als eine Bin-Ladin-al-Qaida-Weltverschwörungstheorie, für die auch fünf Monate nach der Tat kein einziger gerichtstauglicher Beweis vorliegt.
Sang- und klanglos ist der personifizierte Weltfeind Nr. 1 denn auch mittlerweile aus den Nachrichten verschwunden, ob dead or alive spielt keine Rolle mehr, er hat seine Schuldigkeit als Fratze des Bösen getan. Auch al-Qaida, das "weltumspannende Netz" gefährlicher Selbstmordattentäter und "Schläfer" - (was machen die eigentlich? Kein Wecker? Verschlafen? - wenn es diese "Schläfer" wirklich gibt, auf was warten sie? ) -, auch al-Qaida, die 30.000 Namen umfassende Gästeliste aus Bin Ladins Gästehaus in Peschawar, wird als Hintergrund zunehmend unbedeutend und ist schon einem völlig abstrakten Bedrohungsszenarium durch "Terror" und neuerdings einer "Achse des Bösen" gewichen. Mit der Aufklärung des Falles, die Fahndung nach den Tätern und Hintermännern, hat der war on terror nichts mehr zu tun.
"Als Bush die Nachricht in einer Schule erreicht, bleibt er merkwürdig ungerührt, auch bei seinem ersten Statement keine Sorgenfalten, kein wirkliches Entsetzen. Vielleicht weil die "Schurken" den verabredeten Zeitpunktpunkt eingehalten hatten: vor 9 Uhr sind im WTC keine wichtigen Banker und keine Besuchermassen, sondern nur das "Fußvolk" anwesend. Ein unvermeidlicher "Kollateralschaden" also, wie man Zivilistenopfer seit der Bombardierung Bagdads zu nennen pflegt. Ob es tatsächlich ein Motiv für das Unvorstellbare, eine inszenierte Katastrophe wie in Pearl Harbor gibt, werden die nächsten Aktionen der Weltordnungsmacht bald zeigen."
Dies hatte ich am 12.9. geschrieben ( The WTC Conspiracy) und zu diesem Zeitpunkt mochten und konnten sich vielleicht wenige dieses Unvorstellbare vorstellen. Mittlerweile sieht das etwas anders aus und die Aktionen der Vereinigten Staaten machen deutlich: Es geht nicht um die Aufklärung des Falles und die Überführung der Täter, sondern um militärische Züge auf dem geopolitischen Schachbrett. Essenzielle Fragen zum Tathergang, wie die nach dem Ausbleiben der Luftabwehr, der Veröffentlichung des gesamten Funkverkehrs, der Nichtverfolgung der Finanzppekulationen um den 11.9., um nur einige zu nennen - sie fallen in ein Grab des Schweigens und gehen im Gedröhne von Krieg, Aufrüstung und Stars & Stripes unter.
Die merkwürdige Ungerührtheit des Präsidenten, als ihm die Nachricht in der Schule von seinem Assistenten zugeflüstert wird, hat mittlerweile eine Erklärung gefunden: Bush war schon vor seinem Schulbesuch über die Vorgänge in New York informiert. Aber es bestand offenbar keine Eile. Genauso wenig wie für den höchsten Militär des Landes, General Richard Myers, der in Washington bei einem Frühstücks-Meeting mit einem Senator saß. Während die beiden WTC-Türme getroffen wurden und ein entführter Jet auf das Pentagon krachte, redeten die beiden gemütlich weiter. Dass der Chairman of the Joint Chiefs of Staff, der leitende Kommandobevollmächtigte der Armee, in so einem Fall nicht informiert wird, kann eigentlich auch nur damit zu tun haben, dass keine wirkliche Eile besteht. Der einzige, der es an diesem Morgen eilig zu haben schien, als er am Telefon von der Attacke erfährt, ist Außenminister Powell - er verlässt das Frühstück mit dem neuen peruanischen Präsidenten und macht sich sofort auf den Rückflug. Vizepräsident Dick "Ihr könnt ihn aufhängen" Cheney wird derweil im Eilschritt von Sicherheitsbeamten in den Bunker des Weißen Hauses gebracht.
Bob Woodward, die "Watergate"-Koryphäe der "Washington Post", hat in einer Serie für seine Zeitung eine Art Insider-Protokoll geschrieben, dass die Aktivitäten der Regierungsspitze vom 11. bis zum 20. September zusammenfasst und auf direkten Interviews und Notizen der Beteiligten basiert. Im Bunker erreicht Cheney ein Telefonat von Präsident Bush aus der Air Force One: "Wer immer das getan hat, wir werden ihnen in die Ärsche treten."
Abgesehen von derlei Originalton-Kleinodien trägt Woodwards ausführlicher Bericht allerdings wenig zur Aufklärung des Falles bei. Fast hat man bei der Lektüre den Eindruck, dass so wie ihm damals als jungem Reporter von bestimmten Geheimdienstkreisen die Informationen zugespielt wurden, die zur Aufdeckung von Nixons "Klempnertruppe" führten, ihm nunmehr als Starjournalisten aus anderen Geheimdienstkreisen Details zukommen, die eher zur Vernebelung und zur Legendenbildung um Bushs Kriegskabinett beitragen.
Eine der himmelschreiend offenen Fragen des Dramas vom 11.9.: Warum die Luftabwehr die Pentagon-Maschine fast eine Stunde unbehelligt ihr Ziel ansteuern ließ, auch dann noch, als bereits zwei entführte Jets in die WTC-Türme geflogen waren , geht in Woodwards minutiösem Protokoll folgendermaßen unter:
Im Bunker des Weißen Hauses nähert sich ein Militäradjutant dem Vizepräsidenten: "Da ist ein Flugzeug 80 Meilen draußen", sagte er. "Es ist ein Kampfflugzeug in der Nähe. Sollten wir eingreifen?"
"Ja", antwortete Cheney ohne zu Zögern.
Um den Vizepräsidenten sitzen (Condolezza)Rice, der Amtschef des Weißen Hauses Joshua Bolten und Cheneys 'chief of staff' Lewis "Scooter" Libby gespannt, als der Militäradjutant seine Frage wiederholt, dieses Mal mit mehr Dringlichkeit. Das Flugzeug war jetzt 60 Meilen entfernt. "Sollen wir eingreifen?"
"Ja" , antwortete er wieder.
Als das Flugzeug näher kam, wiederholte der Adjutant die Frage. Steht die Order noch?
"Natürlich tut sie das", schnappte Cheney.
Es war "offensichtlich eine sehr bedeutsame Aktion", sagte Cheney in einem Interview. "Du forderst von amerikanischen Piloten auf einen Jet voller Zivilisten zu feuern. Auf der anderen Seite hatte ich ja direkt vor Augen, was mit dem World Trade Center geschehen war, und es war mir klar, dass ein entführtes Flugzeug eine Waffe darstellte."
Das war's. Erstaunlich, dass auch im Bunker offenbar keinerlei Eile besteht. Die entführte Maschine nähert sich Washington, der Adjutant fragt einmal, zweimal, dreimal, erhält jedes Mal eindeutige Antworten, aber es geschieht nichts. Statt diese kafkaeske Situation aufzulösen und das Ausbleiben der Feuerwehr (siehe Wo blieb die Feuerwehr?) zu thematisieren, lässt Woodward Cheney dann noch einmal sein inneres Drama rekapitulieren, wie in einem schlechten Hollywoodfilm. Und Schnitt. Von hier schweift der Artikel dann zum Absturz der Pennsylvania-Maschine und weiter.
Den Einstieg in sein Protokoll über "Amerikas chaotischen Weg in den Krieg" nimmt Woodward über die Bunkersitzung am Abend des 11.9., an dem sich Bush, Cheney, Powell, Rumsfeld, Rice und CIA-Chef Tenet um 21 Uhr 30 treffen: "Intelligence was by now almost conclusive that Osama bin Laden and his al Qaeda network, based in Afghanistan, had carried out the attacks."
Die Geheimdienste waren sich zu diesem Zeitpunkte also "nahezu schlüssig", dass Bin Ladin und al-Qaida die Anschläge ausgeführt hatten. Woher diese Schlüssigkeit kam, wird nicht erwähnt - auch nicht im zweiten Teil der Serie, die den nächsten Tag beschreibt, an dem "für (CIA-Chef) Tenet die Beweise gegen Bin Ladin schlüssig waren - game, set, match". Als Grund wird lediglich angeführt, dass bei Dreien der Entführer Verbindungen nach Afghanistan nachgewiesen seien. That's it. Ansonsten spielt die Frage nach Beweisen für die Täterschaft - an der der gesamte Kriegsausbruch hängt - für den einstigen Heroen des investigativen Journalismus Bob Woodward keinerlei Rolle mehr. Ein Vierteljahrhundert nach Watergate scheint er nunmehr selbst ins Lager der "Klempnertruppe" übergelaufen - und schustert, gefüttert mit Exklusivinterviews der Top-Offiziellen, Propagandamythen aus dem Führerbunker zusammen:
Das "Kriegskabinett" hatte Fragen, keiner mehr als Rumsfeld. Was sind die Ziele? Wie viele Beweise brauchen wir um al-Qaida zu verfolgen? Während schnelles Handeln erforderlich sei, sagt Rumsfeld, würde es bis zu 60 Tage dauern, einen größeren Militärschlag vorzubereiten. Und, fragte er, gibt es alliierte Ziele, die von einem Angriff ausgeschlossen sind? Beziehen wir unsere Alliierten in die Militäraktionen ein?
Rumsfeld warnte, dass eine effektive Antwort einen größeren Krieg erfordern würde, der über den Einsatz des Militärs hinausginge. Die Vereinigten Staaten, sagte er, müssen jedes Werkzeug einsetzen - militärisch, rechtlich, finanziell, diplomatisch, nachrichtendienstlich.
Der Präsident war enthusiastisch. Aber Tenet präsentierte einen ernüchternden Gedanken. Obwohl al-Qaidas Heimatbasis Afghanistan sei, operiere die Organisation nahezu weltweit. (..)Wir haben ein 60-Länder-Problem, sagte er der Gruppe.
"Lasst uns sie eins nach dem anderen wegputzen" antwortete Bush.
Der Präsident und seine Berater führten Amerika auf die Straße des Kriegs in dieser Nacht, ohne Straßenkarte.
Hauptsache Krieg, Hauptsache groß und ein "enthusiatischer" Präsident, der alle "wegputzen" will. Wäre es nicht grauenhafte Realität, man könnte meinen, in eine Cover-Version von Chaplins Großem Diktator geraten zu sein. In sofern kann man dem zum unkritischen Hofberichterstatter mutierten Bob Woodward für sein schonungsloses Porträt sogar schon wieder danken. Zu dem Hintergrund, den es vernebelt, passt es aufs Stimmigste.
Mathias Bröckers 24.02.2002
The WTC Conspiracy XXXVI
Der Aufstieg der britischen "East India Company" zum weltumspannenden Finanzkonzern des Empires im 18. und 19. Jahrhundert verdankte sich in erster Linie dem illegalen Opiumgeschäft mit China (siehe Uncle Sam's Junk: Heroin, Taliban, Pakistan), dessen Fortbestand in zwei Opiumkriegen mit militärischer Gewalt gesichert wurde. Dabei pflegte sich die ehrenwerte Kaufmannsgesellschaft in London immer dann besonders heftig über den menschenverachtenden Opiumhandel zu empören, wenn sie in China zur Sicherung und Ausweitung ihres Monopols gerade mal wieder einen Krieg anzettelte. George W. Bush setzt diese klassische Tradition mit seiner jetzt angekündigten Offensive im "war in drugs" fort.
Einer der wesentlichen Gründe, warum die Vorgänge um den 11. September ihrer Aufklärung harren, liegt darin, dass die Hintergründe in Tabubereiche führen, deren Aufdeckung unerwünscht ist. Eines dieser Tabus ist die direkte und indirekte Finanzierung der US-Außenpolitik durch das Geschäft mit illegalen Drogen. So wurde die "Heroinisierung" Pakistans seit 1979 nicht nur als unvermeidlicher Kollateralschaden im Kampf gegen den Kommunismus angesehen, nach Ende des Kalten Kriegs wurde sie weiter akzeptiert, um das Land zahlungsfähig zu halten, für Waffenkäufe und die Bedienung der IWF-Kredite. Ende der 90er Jahre lagen dann die Einkünfte aus der Schattenökonomie des Heroingeschäfts 30% über dem Staatshaushalt von 11. Mrd. $.
Im Oktober hatten wir prognostiziert, dass das vom pakistanischen Geheimdienst ISI - dem wichtigsten CIA-Partner der Region - kontrollierte Heroin-Geschäft nach einem Einmarsch der USA in Afghanistan weiter blühen wird. Dafür wurde jetzt mit der Berufung des Generals und Drogenbarons Rachid Dostum in das neue afghanische Kabinett Sorge getragen, mit der - so Adam Porter im Guerilla News Network, "die größte Heroin-Regierung aller Zeiten zementiert wurde".
Auch außerhalb der Regierung sind die Warlords und Drogenhändler back in business, die Nord-Allianz, die anders als die Taliban den Opiumanbau nie eindämmte, kontrolliert weite Teile des Landes, Pakistan hat einen der großen Schmuggelkönige der Khyber-Pass-Region wieder aus der Haft entlassen und in Kabul wurde die "High Commision on Drug Control" von der neuen Regierung einfach vor die Tür gesetzt, ihre Autos und Telefone beschlagnahmt: "Nicht einmal ein Fahrrad haben sie uns gelassen", beklagt der Leiter der Behörde, der nun in einem Zimmer im Außenministerium unterkriechen musste.
Gleichzeitig melden die Agenturen, dass jetzt Spezialeinheiten der USA die Shops in der Opium-Lane von Kandahar regelmäßig besuchen und die Aufforderung "Change your Business" hinterlassen - pro forma und für die bunten Seiten weltweit also wirklich etwas tun gegen den Opiumhandel. De facto freilich wären die Volksökonomien von Afghanistan und Pakistan auf der Stelle ruiniert, sollte das Opium- und Heroingeschäft zum Erliegen kommen.
Dass dies auf keinen Fall geschieht, dafür hat sich jetzt George W.Bush an der Heimatfront ins Zeug gelegt. Seine Ankündigung der Verschärfung des "war on drugs" und einer saftigen Etaterhöhung für Eindämmung und Verfolgung bedeutet Balsam für die seit Kriegsbeginn in den Keller gefallenen Preise für Roh-Opium und Heroin: "Jetzt werden wir reich", bekundete denn auch ein junger Opiumhändler gegenüber der "New York Times". Während der Preis für ein Kilo Opium im August noch 300 $ betrug, war er zwischenzeitlich auf 150 $ gefallen.
"Wenn wir den Krieg gegen Drogen führen, führen wir Krieg gegen Terror", hatte Präsident Bush, dem Alkohol- und Kokainmissbrauch nachgesagt werden, im Rahmen seiner "Nationalen Drogenkontrollstrategie" verkündet - und ließ die Dumpfbotschaft in den teuersten Werbespots, die je eine US-Regierung bei einer TV-Übertragung schaltete, unters Volk bringen. Während des "Superbowl" Football-Finales wurden so in zwei 30 Sekundenspots 3,2 Millionen Dollar Steuergelder verbraten - und quasi die direkte Verbindung von Drogenkonsum und Usama Bin Ladin hergestellt. "This is your brain on terror" kommentierte der Mediendienst "PR Watch" die Propagandaspots - unter Anspielung auf die berüchtigten Spiegeleier-Plakate ("This is your brain on drugs") , mit denen seinerzeit unter Reagan/Bush der Drogenkrieg an der Heimatfront angeheizt wurde (und die Margen im neu installierten Heroin-Geschäft an der pakistanisch-afghanischen Grenze gepusht.) .
Wer es nicht glauben möchte, dass die CIA und weitere US-Geheimdienste in den Drogenhandel involviert sind, braucht nur ihren eigenen Report darüber zu lesen, der zumindest die Spitze dieses Eisbergs lüftet (siehe dazu auch ein aktuelles Interview mit Noam Chomsky). Dan Russell beschreibt in Drugwar die Logik dieses Zusammenhangs:
"Die Machtzentren, die für den Drogenhandel verantwortlich sind, sind dieselben Machtzentren, die die künstliche Hysterie schüren, die für die fortgesetzte Kriminalisierung nötig ist. Das hält die Verkaufspreise hundertfach höher als der natürliche Wert und den Handel exklusiv in den Händen des Muskelprotzes. Ein anderes Wort für Muskelprotz ist militärischer Geheimdienst. (...)
Verdeckte Regierung durch den militärisch-industriellen Komplex bedeutet korrupte Eroberungskriege und Regierung durch Drogenhändler. Als die traditionellen Rauschpflanzen der Welt zu illegalen Güter wurden, bekamen sie einen Wert wie Edelmetall, das angebaut und geerntet werden konnte. Einzig durch ihren künstlichen, durch die Prohibition geschaffenen Wert wurden illegale Drogen überall dort zur Basis der militärischen Macht, wo sie angebaut und in Mengen geliefert werden konnten. Bis heute sind die amerikanischen Rüstungsunternehmen insofern die größten Drogengeldwäscher der Welt."
Da wundert es dann eigentlich nicht mehr, dass die Vereinigten Staaten die Einrichtung des Internationalen Strafgerichtshofs hartnäckig boykottierten, und auch jede Reform der Drogenpolitik blockieren und das Prohibitions- und Repressionsdogma hochhalten - nur so kann das verdeckte Geschäft lukrativ und in den Händen des "Muskelprotzes" bleiben. In einer Studie des UN-Drogenkontrollprogramms UNDCP wurde untersucht, wie viel Umsatz in verschiedenen Ländern mit welchen Drogen gemacht wird und welchen Einfluss der Grad der Prohibition auf diesen Umsatz hat. Ergebnis: harte Repression fördert den Umsatz von harten Drogen:
"Die Vereinigten Staaten liefern ein gutes Beispiel: Obwohl 78% aller Konsumenten illegaler Drogen Cannabis nutzen (1995-1996), betrugen die geschätzten Ausgaben für Cannabis nur 12% sämtlicher Ausgaben für illegale Drogen. (..) Die Niederlande sind einer der wenigen Fälle in entwickelten Ländern, in denen der Markt für Cannabis (0,5 Milliarden $ 1995) deutlich größer ist als die Heroin- und Kokain-Märkte (0,26 Mrd. $)."
Laut UNDCP überwiegt in den USA der Umsatzanteil harter Drogen im Verhältnis 7:1, während es in den Niederlanden weiche Drogen sind, deren Umsatz 3:2 überwiegt. Diese Zahlen der Vereinten Nationen zeigen, dass die pragmatische, schadensreduzierende Politik der Holländer sehr viel besser geeignet ist als die repressive Linie der USA, um die Einnahmequellen von Terroristen trockenzulegen. Da Drogengeld die wichtigste Finanzquelle des internationalen Terrorismus darstellt, wäre ein Frieden im "war on drugs", ein neuer Pragmatismus in der Drogenpolitik, einer der wichtigsten Schritt im Kampf gegen den Terror überhaupt. Es geht um 500 Milliarden Dollar oder sogar mehr, die per anno weltweit mit Produkten von Mohn-, Coca- und Hanfpflanzen umgesetzt werden - den größten globalen Schwarzmarkt überhaupt.
Ginge es wirklich um eine Kontrolle dieses Markts, könnte diese durch legalen Anbau und regulierte Abgabe dieser Substanzen leicht erreicht werden. Aber wer finanziert dann in Zukunft die inoffizielle amerikanische Außenpolitik, die "Contras" in Nicaragua, die "Djihad"-Lager in Afghanistan, die Todesschwadronen in Salvador und Kolumbien, die UCK im Kosovo? Wer hält unverzichtbare Verbündete wie die Heroin-Regierungen in Kabul und Pakistan am Leben ? Wie soll die islamistische Destabilisierung Zentralasiens und Russlands finanziert werden? -
Nicht nur Mafia, Militärdiktatoren und Terroristen hängen am Drogentropf, auch die amerikanische Geo-Politik kommt ohne diesen Krokodilfonds nicht aus. Dank Bushs Offensive im Drogenkrieg werden die Gelder weiter üppig fließen ...
Mathias Bröckers 02.03.2002
The WTC Conspiracy XXXVII
Nachdem das linksliberale politische Magazin The New Statesman Anfang Februar unter der Schlagzeile "The Kosher Conspiracy" eine Titelgeschichte über die unkritische Unterstützung der Politik Sharons durch die britische Regierung veröffentlicht hatte, hagelte ein Sturm von Antisemitismus-Vorwürfen auf das Blatt. Dass einer der Autoren, der renommierte australische Journalist John Pilger, für seine investigativen Reportagen über Menschenrechtsverletzungen wie den Genozid in Ost-Timor mehrfach ausgezeichnet wurde, rettete ihn nicht vor der Holocaust-Keule. Die trifft derzeit jeden Nicht-Juden, der Israel und seine Unterstützer öffentlich kritisiert - die 20.000 jüdischen Demonstranten dagegen, die kürzlich in New York gegen Sharons Terrorpolitik protestierten, tauchten in den Mainstream-Nachrichten kaum auf...
"Cui bono?" - bezieht man knapp ein halbes Jahr nach den Anschlägen diese Frage auf die Länder und Regierungen, denen sie genützt haben, bleiben nur zwei: USA und George Bush sowie Israel und Ariel Sharon. Nun wäre es wahrlich ein zu kurzer Schluss , diesen beiden schon deswegen eine Mittäterschaft zu unterstellen, weil sie die Hauptprofiteure sind. Bei der Frage nach einem Motiv für die Tat jedoch, die für jeden Kriminalisten bei der Erstellung von Täterprofilen zentral ist, müssten Bush und Sharon auf der Liste der Verdächtigen mittlerweile ziemlich oben stehen.
Wenn in einem Krimi jemand ermordet wird und der (unschuldige) Gärtner, als Haupterbe, in strengen Verdacht gerät, hätte er das allergrößte Interesse an einer zügigen und umfassenden Ermittlung des eigentlichen Täters. Was wäre da von einem Gärtner zu halten, der die Polizei auffordert, ihre Fahndung einzustellen und sich lieber auf die Verhinderung weiterer Morde zu konzentrieren ? Eben dies haben Präsident Bush und sein Vize Cheney Ende Januar getan: Sie forderten den demokratischen Fraktionschef Tom Daschle auf, keine tiefgehende Kogress-Untersuchung der Vorgänge vom 11.9. anzustellen. Dies würde, so Cheney, "Ressourcen und Personal von den Anstrengungen im "war on terror" abziehen.
Somit liegt nunmehr auch eine offizielle Bestätigung für die Vertuschung und Vernebelung der Hintergründe des 11.9. durch die US-Regierung vor. Die Einrichtung eines Desinformations- und Propagandabüros ( Rumsfeld: Pentagon lügt nicht), das mittlerweile allerdings wieder geschlossen werden soll, zur Fortsetzung dieser Vernebelung scheint da ebenso konsequent, wie mit Admiral Pointdexter einen der Top-Verschwörer des Iran-Contra-Deals zum Leiter einer neuen Schnüffelbehörde, dem "Information Awarness Office", zu bestellen. Wenn Sie wissen wollen, was diese Behörde tut, dann denken Sie einfach an "Big Brother", meint der Kolumnist des britischen "Guardian", und fügt hinzu: "Schicken Sie einfach mal eine Email an einen amerikanischen Freund: 'Bmb ok, Allah gr8'."
Bei soviel Offensive im Überwachungs- und Propagandasektor dürfte auch der brisante Spionagefall weiter unter der Decke bleiben, der von den amerikanischen Medien seit Monaten wie eine heiße Kartoffel behandelt wird, obwohl es sich um den größten Abhörskandal der US-Geschichte handelt. Diese Nichtbeachtung hat zwei Gründe: Zum einen werden die knapp hundert inhaftierten Verdächtigen mit den Vorgängen um den 11.9. in Verbindung gebracht, und zum anderen handelt sich um Israelis. Aufgebracht wurde der Fall Ende Dezember durch den bush-freundlichen Murdoch-Sender Fox News ("We report - you decide") , der das Skript der vierteiligen Serie mittlerweile aber von seiner Website verbannt hat (Kopien u.a. hier).
"Es stellt sich heraus, dass Israel seit Jahren über eine potenzielle Abhörmöglichkeit für jedes amerikanische Telefon verfügt, sowie die Möglichkeit besitzt festzustellen und aufzuzeichnen, wen irgendeine Person irgendwo in Amerika anruft. Informationen von großem Wert, selbst wenn man die Gespräche selbst nicht mithört. Amdocs Inc., die Rechnungsstellungs - und Verbindungsdienste für Telefongesellschaften rund um die Welt ausführt, darunter 90% der US-Telefongesellschaften, gehört israelischen Besitzern. Eine andere israelische Firma, Comverse Infosys (sie liefert nahezu die gesamte Abhörtechnik für US-Behörden und Geheimdienste), wird verdächtigt, eine Hintertür in die installierten Abhöranlagen eingebaut zu haben, die es ihr erlaubt, jedes Telefongespräch in den USA mitzuhören."
Aus FBI-Kreisen erfuhr Fox-Reporter Carl Cameron, dass es sich bei den verhafteten Spionageverdächtigen zum Teil um Angehörige dieser Telefonfirmen handelt - die freilich jeden Verdacht von sich weisen. Weiter heißt es in Camerons Bericht:
"Die Fahnder haben den Verdacht, dass die Israelis Informationen über die Attacken gesammelt und nicht weitergegeben haben. Ein hochrangiger Untersuchungsbeamter sagte, dass es 'Verbindungen' gäbe. Aber gefragt nach Einzelheiten verweigerte er weitere Auskünfte und sagte, 'die Beweise über die Verbindung dieser Israelis zum 11.9. seien klassifiziert. Ich kann über die Beweise die zusammengetragen wurden keine Auskunft geben, das sind geheime Informationen.'"
Kaum geheim sind freilich die engen Verbindungen der Abhörspezialisten von "Comverse Infosys" zu israelischen Behörden und dem Geheimdienst Mossad, der so möglicherweise seit Jahren Zugang zu jedem US-Telefon hatte - auch zu dem im Oval Office des Weißen Hauses. In den Vernehmungen zu Clintons "Monicagate" hatte Frau Lewinsky eine Bemerkung des Präsidenten erwähnt, dass ihre Gespräche möglicherweise von einem "fremden Dienst" abgehört würden. Nachdem seine Affäre mit Lewinsky aufgeflogen war, ließ Clinton die auf Hochtouren laufende Fahndung nach dem Lauscher im Weißen Haus merkwürdigerweise einstellen. Der kleine Warnschuss hat offenbar gereicht, denn man kann sich unschwer vorstellen, was dieser "fremde Dienst" dank langjähriger, flächendeckender Horchaktionen an kompromittierendem Material ansonsten noch im Köcher haben dürfte. Unerwünschte Nachrichten aus den Medien zu halten ist da ein Kinderspiel, selbst wenn es sich um einen Spionageskandal von enron-ähnlichem Ausmaß handelt.
Auf diesem Hintergrund wird auch eine Äußerung von Ministerpräsidenten Sharon gegenüber seinem Außenminister Peres verständlich, der ihn Anfang Oktober wegen seiner aggressiven Politik kritisiert hatte:
"Jedes Mal wenn wir etwas tun, erzählst Du mir Amerika wird dies oder das tun ... Ich will Dir etwas sehr klar sagen: Mach dir keine Sorgen über amerikanischen Druck auf Israel. Wir, die jüdischen Leute, kontrollieren Amerika, und die Amerikaner wissen es."
Dieses, von Sharons Sprecher später im Wortlaut nicht bestätigte Zitat, das in einer Radiodebatte am 8.Oktober gefallen sein soll, gibt Wasser auf die klassische Mühle der "jüdischen Weltverschwörung" und der im muslimischem wie im westlich-rechtsradikalen Spektrum nach wie vor laufenden Propaganda der "Protokolle der Weisen von Zion".
Doch eingedenk des Hinweises von Hannah Arendt, dass Hitler letztlich zu einem "Schüler" der von ihm als Propagandainstrument eingesetzten Verschwörungstheorie wurde - "Die Nazis begannen mit einer ideologischen Fiktion einer Weltverschwörung und organisierten sich mehr oder weniger bewusst nach dem Modell der fiktiven Geheimgesellschaft der Weisen von Zion. (siehe dazu: Alles unter Kontrolle) - können wir auch die Politik Sharons besser verstehen, die er "mehr oder weniger bewusst" nach dem Modell von Hitler durchzuziehen scheint.
Als Präsident Bush Sharon Ende September ermahnte, die Offensive gegen die Palästinenser einzustellen, verglich er ihn mit Chamberlain, der Hitlers Einvernahme der Tschecholowakei tatenlos zugesehen hätte - als ob die Okkupation des hochgerüsteten Israel durch palästinensische Demonstranten mit Steinen und Molotowcocktails unmittelbar bevorstünde. De facto behandelt Sharon das Osloer Abkommen nicht anders als Adolf das von Versailles:: Es ist für ihn ein "Schandvertrag", der nur mit Krieg aus der Welt geschafft werden kann.
Dass solch ein Politiker als Kriegsverbrecher vor ein Gericht gehört - und dies wegen des Massakers von Sabra und Chatila eigentlich schon seit 19 Jahren - wäre eine ziemlich verständliche und mehrheitlich wohl leicht durchzusetzende Forderung, käme er aus Afghanistan , Jugoslawien, Irak oder sonst woher. Weil er aber aus Israel kommt, braucht er nur die "wildcard" Antisemitismus zu zücken - und schon hat er Ruhe.
In der Folge über die braune Vergangenheit der Präsidenten-Familie ( Skulls, Bones & Bush) hatte ich es auf die tendenziell antijüdischen Traditionen des Bush-Clans zurückgeführt, dass Sharon sich nach den Anschlägen einen Teufel um die strengen Friedensermahnungen aus Amerika scherte. Der im Untergrund schlummernde Abhörskandal könnte allerdings nicht nur das Vorauswissen der Anschläge erklären - und hängt möglicherweise auch mit den unaufgeklärt begrabenen Spekulationsgeschäften um den 11.9. zusammen -, er verdeutlicht auch, woher Sharon die Chuzpe für seine Aggressivität nimmt. Er verfügt offenbar tatsächlich über geeignete Daumenschrauben, den großen Bruder USA jederzeit beizubiegen.
Sollte man Überlegungen wie diese besser nicht anstellen, weil sie dem Feind - Neo-Faschisten und dem fundamentalistischen Islam, denen die Theorie der jüdischen Weltverschwörung als wichtiges Propagandainstrument dient - in die Hände zu spielen? Ich denke, das Gegenteil ist richtig - solange Verschwörungen wie dieser Abhörskandal vernebelt und vertuscht werden, nährt das den Verdacht eine "Kosher Conspiracy" eher, als dass es ihn ausräumt - denn das Schweigen darüber bringt die Gerüchte nicht zum Verstummen.
Eine Debatte darüber ist freilich nicht zu erwarten. Wer heute auf die faschistischen Tendenzen der USA aufmerksam macht, wird als "Anti-Amerikaner" ins Abseits gestellt wird, und wer Israels Bruch des Völkerrechts kritisiert, erhält als "Antisemit" umgehend die rote Karte. Das Meinungsklima, es ist ganz ähnlich wie in Deutschland nach 1933, als Kritiker des Faschismus wegen "undeutscher Umtriebe" aus dem Verkehr gezogen wurden. Solange diese Nazi-Spielregeln gelten - und die neu eingerichteten US-Büros für Propaganda und "Information Awarness" werden sie eher verschärfen und als abschaffen -, solange verkommen Prinzipien wie "Meinungsfreiheit", "Mediendemokratie" oder "politische Willensbildung" weiter zu traurigen Floskeln.
Mathias Bröckers 17.03.2002
The WTC Conspiracy XXXVIII
Der Schriftsteller William Burroughs hat den Mainstream kultureller Wahrnehmung einmal mit einem Beifahrer verglichen, der die Landschaft nur im Rückspiegel betrachtet. Taucht etwas Unerwartetes, Neues auf, nimmt er es zuerst einmal nicht wahr. Die Behauptungen des vorausschauenden Fahrers über das, was auf sie zukommt, erklärt er für irrelevant. Erst wenn die Veränderungen dann auch im Rückspiegel sichtbar werden und beim besten Willen nicht mehr zu leugnen sind, erklärt er: "Aber das kennen wir doch schon, das ist doch gar nichts Neues."
Ähnlich wie diesem Fahrer geht es vielleicht auch einigen Verschwörungstheoretikern des 11.September, denn nach und nach drängen sich die unerhörten Neuigkeiten auch in den Rückspiegel-Blick des Medien-Mainstreams. So erwähnt der "Spiegel" in der vergangenen Woche seiner Titelgeschichte über Saudi-Arabien, mittlerweile immerhin beiläufig das Rüstungsunternehmen "Carlyle-Group" und dessen Repräsentanten Bush Senior - im Oktober war in der Spiegel-Online-Ausgabe aus einem Artikel der Autorin Arundhati Roy (siehe Fakten, Fiktionen, Fakes...) der Hinweis auf die Investments der Familien Bush und Bin Ladin bei Carlyle noch herauszensiert worden.
So haben vielleicht auch die Fragen der Petition an den US-Senat zur Untersuchung der Ungereimtheiten des 11.9. eine Chance, in naher Zukunft öffentlich gestellt und überprüft zu werden - ebenso wie das Interview das Usama Bin Ladin am 28.September der pakistanischen Zeitung "Ummat" gab, und in dem er abstreitet, mit den Anschlägen irgendetwas zu tun zu haben - und das mir als Beweisstück mindestens so authentisch zu sein scheint wie die manipuliert wirkenden Home-Videos mit seinem angeblichen Bekenntnis.
Dass sechs Monate nach dem Anschlag immer noch kein "Schläfer" erwacht, kein Selbstmordbomber des Al-Qaida-Netzwerks die westliche Welt heimgesucht hat, könnte als Erfolg des "war on terror" gewertet werden - oder aber schlicht als Indiz dafür, dass es sich bei diesen "Schläfern" um eine Fiktion handelt, die nur zum Zwecke der Hysterisierung der Massen geschürt wurde. Anders als durch die Suggestion einer fortgesetzten Bedrohung hätte die polizeiliche Fahndung nach den Tätern nicht unmittelbar durch eine militärische Operation und nach wenigen Tagen durch einen Krieg ersetzt werden können, anders als durch das Aufbauschen eines gefährlichen, krakenhaften Netzwerks heimtückischer Assassinen, das die westliche Zivilisation (und damit den heimischen Herd) bedroht, hätte die Bevölkerung nicht in eine solche Kriegsbegeisterung getrieben werden können.
Um die hinter dieser Propaganda stehende Agenda zu verstehen - die, soviel dürfte nach einem halben Jahr feststehen, definitiv nicht der Aufklärung der Tatumstände und der Ergreifung der Täter und Hintermänner dient - hatte ich schon die Bücher von Brezinski ("Die einzige Weltmacht") und Huntington ("Kampf der Kulturen") empfohlen, die sowohl die geostrategischen Ziele der USA, als auch das zu ihrer Durchsetzung notwendige Feindbild klar definieren ( Turmopfer im geopolitischen Schach?. In der Essenz vorweggenommen wurden diese nüchternen. machtpolitischen Erwägungen schon von Carl Schmitt, dem Staatstheoretiker und "Kronjuristen" des 3. Reichs, in dessen "Begriff des Politischen" von 1932 manchen Passagen anmuten, als seien sie nach dem 11.9.2001 geschrieben:
"Ein ökonomisch fundierter Imperialismus wird natürlich einen Zustand der Erde herbeizuführen suchen, in welchem er seine wirtschaftlichen Machtmittel, wie Kreditsperre, Rohstoffsperre, Zerstörung der fremden Währung usw. ungehindert anwenden kann und mit ihnen auskommt. Er wird es als "außerökonomische Gewalt" betrachten, wenn ein Volk oder eine andere Menschengruppe sich der Wirkung dieser "friedlichen" Methoden zu entziehen sucht. Er wird auch schärfere, aber immer noch "wirtschaftliche" und daher (nach dieser Terminologie) unpolitische, essentiell friedliche Zwangsmittel gebrauchen, wie (..) Unterbindung von Nahrungsmittelzufuhr an die Zivilbevölkerung und Hungerblockade. Schließlich verfügt er noch über technische Mittel gewaltsamer physischer Tötung, über technisch vollkommene moderne Waffen, die mit einem Aufgebot an Kapital und Intelligenz so unerhört brauchbar gemacht worden sind, damit sie nötigenfalls auch wirklich gebraucht werden. Für die Anwendung solcher Mittel bildet sich allerdings ein neues, essentiell pazifistisches Vokabularium heraus, das den Krieg nicht mehr kennt, sondern nur noch Sanktionen, Strafexpeditionen, internationale Polizei, Maßnahmen zur Sicherung des Friedens. Der Gegner heißt nicht mehr Feind, aber dafür wird er als Friedensbrecher, Friedensstörer und hors l'humanié gesetzt, und ein zur Wahrung oder Erweiterung ökonomischer Machtpositionen geführter Krieg muß mit einem Aufgebot von Propaganda zum "Kreuzzug" und zum "letzten Krieg der Menschheit" gemacht werden."
Das "either with us or with the terrorists" in George W. Bushs umjubelter Kriegserklärung entspricht ebenso exakt dem Schmittschen Begriff des Politischen als Unterscheidung von Freund und Feind wie die mit "unerhört brauchbaren Waffen" durchgeführten Anti-Terror-Maßnahmen auch als "Kreuzzug" und "Krieg der Zivilisation" definiert wurden. Der psychologische Schock des unerhörten Ereignisses - und der schon kurz nach dem ersten Einschlag lancierte und in den folgenden Tagen als Großbedrohung formatierte Zivilisationsfeind Bin Ladin - ermöglichten quasi aus dem Stand die allgemeine Mobilmachung. Wer Fragen stellte, wer vor der Strafaktion Beweise für die Täterschaft verlangte, machte sich verdächtig: des "feigen Denkens" und des "un-patriotischen Verhaltens". Zweifel an der offiziellen Version des Tathergangs konnten einfach als "Verschwörungstheorie" abgestempelt werden. Wenn es dann wirklich noch jemand wagte, vor Ort ein paar Hintergründe zu recherchieren, wie der Journalist Daniel Pearl den Zusammenhang von Opiumanbau, dem pakistanischen Geheimdienst ISI und seinem Partner CIA, wurde er entführt und ermordet. Zufälligerweise ausgerechnet von Omar Sheik, dem britischen Staatsbürger, Ex-Student der renommierten "London School of Economics" und ISI-Top-Agenten, der von indischen und US-amerikanischen Diensten als Hintermann des "Terrorpiloten" Mohammed Atta identifiziert wurde und an diesen im vergangenen Sommer 100.000 $ überwiesen haben soll. (siehe Fakten, Fiktionen, Fakes...)
Hat dieses notfalls offenbar gewaltsam hergestellte Medienkartell des Schweigens nicht nur Dutzende kleine und größere Ungereimtheiten des Tathergangs unter den Teppich gekehrt, sondern vielleicht auch ein ganzes Flugzeug, die Boeing 757, die ins Pentagongebäude gekracht ist ?
Schon beim Verfolgen der Nachrichten am 11.9. war mir aufgefallen, dass keine Bilder von der ins Verteidigungsministerium gestürzten Maschine zu sehen waren, auch in den Tagen danach brachte die Suche unter "Pentagon Crash Pictures" Bilder brennender Gebäude, aber kein Flugzeug. Ende Februar stieß ich dann auf die französische Website Hunt the Boeing, die in den Tagen darauf im Internet für Diskussionen sorgte. Anhand der offiziellen Fotos der Unglücksstelle wird hier die These aufgestellt, dass eine 100 Tonnen schwere Boeing mehr Schaden und andere Spuren hinterlassen hätte, als auf den veröffentlichten Bildern zu sehen ist. (Thierry Meyssan, Präsident von Réseau Voltaire, hat jetzt ein Buch veröffentlicht, in dem er ebenfalls die Darstellung des Pentagon in Zweifel stellt. S. a.: Les mystères de l'attentat contre le Pentagone.
Kritik an dem vermeintlichen French Joke stieß auf umgehende Widerlegung und die u.a. in der Web-Gerüchteküche laufende Debatte führte dann wohl am 8.März zu einer in vielen Zeitungen und im Internet veröffentlichten Serie angeblich neuer Bilder des Crashs, die von Pentagon-Sicherheitskameras aufgenommen wurden. Merkwürdigerweise ist aber auf diesen nachgereichten Fotos nichts von einem Flugzeug, sondern nur eine Explosion zu erkennen, zudem lautet die Datumsanzeige der Bilder auf den 12. September 17 Uhr 37. Kann es sein, dass die Sicherheitsuhren und -kameras im Pentagon - einem ja nicht ganz unwichtigen Gebäude - einfach nach dem Mond gehen ? Oder handelt es sich bei dieser Debatte, wie die Kommentatoren von whatreallyhappend.com meinen, insgesamt um einen Hoax, um die Aufmerksamkeit von dem Skandal um den israelischen Spionagering (siehe Die Kosher Conspiracy) und seine Verbindung zum 11.9. abzulenken ? (Für alle, die mich wegen dieses Hinweises wieder als Antisemiten beschimpfen, eine augenöffende Lektüreempfehlung zum Israel-Palästina-Konflikt aus jüdischer Sicht.)
Wie auch immer - verglichen mit den in das WTC stürzenden Flieger, die in 100-facher Wiederholung gezeigt wurden, war das Bildmaterial zum Pentagon-Crash am 11.9. rar und blieb auch danach äußerst als dürftig. Hätte der alle Aufmerksamkeit bindende Anschlag in New York zuvor nicht stattgefunden, wären die Merkwürdigkeiten dieses Crashs wohl umgehend aufgefallen. Dass die Flugschreiber des American Airlines Fluges 77 zwar noch nicht aufgetaucht, aber demnächst gefunden würden, darüber war sich der amtierende Feuerwehrchef der Unfallstelle in der Pressekonferenz am 12.9. sicher - bis heute sind weder die Flugschreiber-Daten noch der Funkverkehr veröffentlicht worden.
Eben diese Geheimniskrämerei ist es, die den Verdacht nährt und den Boden für jede Art von Desinformation bereitet, die dann in der Tat in der Lage ist, die Aufmerksamkeit von den eigentlichen Hintergründen abzulenken. Das eigentliche Pentagon-Mysterium besteht nämlich nicht in der Suche nach einer riesigen Boeing und der Beschäftigung mit dubiosem Bildmaterial, sondern nach wie vor in der Frage, wie es überhaupt einem Flugzeug gelingen konnte, unbehelligt in die sensibelste "No Fly"-Zone der Vereinigten Staaten einzudringen.
Mathias Bröckers 23.03.2002
The WTC Conspiracy XXXIX
Wissen Sie was die Weltbank tut? Oder der Internationale Währungsfond? Beide Institute behaupten, dass sie die Ökonomie und Währungen von Entwicklungsländern durch langfristige Kredite stützen und die Armut in der Dritten Welt bekämpfen. Doch das tun sie natürlich nicht. Stattdessen nutzen sie ihre Finanzinstrumente, um die Wirtschaft dieser Ländern unter Kontrolle zu bekommen - und unterstützen dabei jede Regierung, die das gewährleistet, wie korrupt, diktatorisch oder unfähig sie sein mag.
Soweit ist die Kritik an diesen "ehrenwerten" Institutionen bekannt und so pauschal auch wenig fruchtbar. Doch Greg Palast, einer der wenigen investigativen Top-Journalisten, die sich nach dem 11.9. nicht in den Dienst der Propagandamaschine gestellt haben, kann anhand von Dokumenten derlei Pauschalvorwürfe nicht nur konkret belegen, sondern am Beispiel des aktuellen Argentinien-Desasters auch nachweisen, mit welchen kriminellen Methoden IWF und Weltbank dabei operieren. Da die Arbeitsmöglichkeiten für unabhängige Journalisten in USA eher bescheiden sind, arbeitet Palast derzeit zwar vor allem für die BBC und britische Zeitungen. Doch was brisante US-Dokumente betrifft scheint er nach wie vor über gute Heimatkontakte zu verfügen. So wurde ihm die Verordnung "W199I" zugespielt, mit der die Bush-Regierung im letzten Sommer die FBI-Fahndung nach "Al-Qaida" unterband - worauf der Top-Terroristen-Fahnder John O'Neill resigniert seinen Job hinwarf ( siehe: In Memoriam John O'Neill - der kaltgestellte Jäger Bin Ladins starb im WTC).
Das von Greg Palast publik gemachte Dokument wird auch in dem Gerichtsverfahren eine Rolle spielen, das ein noch anonymer FBI-Beamter mit Unterstützung des Anti-Korruptions-Büros Judical Watch jetzt gegen die US-Regierung anstrengt: wegen Behinderung der Fahndung nach Bin Ladin.
Liest man das Interview mit Palast über seine Recherchen und Dokumente in Sachen IWF/Weltbank, dann dürften auch diese Unterlagen noch größere Wellen schlagen. Der Weltbank-Chef Wolfensohn weigerte sich jedenfalls vorerst, einer Einladung von CNN zu folgen und den Fall mit Palast im Studio zu diskutieren - nachdem die zuerst offiziell bestrittene Echtheit der "eyes only" Dokumente außer Frage stand. Es handelt sich dabei laut Palast um Kopien von geheimen Vereinbarungen, deren Unterzeichnung von Ländern wie Argentinien verlangt wurde, bevor sie in den Genuss von IWF/Weltbank-Krediten kommen können. Voraussetzung ist der "Privatisierung" genannte Verkauf öffentlicher Einrichtungen (Wasser- und Elektrizitäts-Versorgung, Verkehrssysteme, Telefonnetze, Ölpipelines) an internationale Unternehmen - und die "Bearbeitung" der verantwortlichen Politiker, die Palast am Beispiel eines argentinischen Senators schildert:
"Vor zwei Wochen sprach ich mit einem Senator aus Argentinien. Ich hatte ihn vor der Kamera. Er sagte, dass er Ende 1988 einen Anruf von George W. Bush, unserem heutigen Präsidenten, erhielt, der ihm sagte, er solle die Pipeline (zwischen Argentinien und Chile) an Enro geben. Was er dann herausfand, sagte er, war ziemlich unheimlich: Enron wollte nur ein Fünftel des weltmarktüblichen Preises bezahlen und er fragte, wie man nur ein solches Angebot machen könne. Und es wurde ihm gesagt - nicht von George W., sondern von einem Partner in diesem Deal: Auch wenn wir nur ein Fünftel bezahlen, bleibt davon ein ziemliches Stück für dich und geht auf dein Schweizer Konto. So läuft es."
Der Chefökonome der Weltbank und Wirtschafts-Nobelpreisträger, Joe Stiglitz, wurde gefeuert, als er nach Dienstreisen in die betroffenen Länder die Details dieser Praktiken durchschaute und begann, kritische Fragen zu stellen. Palast hat mit ihm ausführlich gesprochen - und schildert die Methoden, mit denen Staatsunternehmen der Bevölkerung geraubt und unter IWF/Weltbank-Kontrolle gebracht werden:
"Er berichtete mir, dass er in Ländern gewesen sei, in denen über Privatisierung und den Verkauf dieser Unternehmen gesprochen wurde. Und grundsätzlich wussten sie, sie wussten es ausdrücklich und schauten weg, als klar wurde, dass die Führer dieser Ländern und die verantwortlichen Minister Hunderte von Millionen Dollar einsackten.(..) Sie übergeben dann (die Unternehmen) üblicherweise an die Spezis, wie die Citibank, die sich die Hälfte der argentinischen Banken schnappte. Oder British Petroleum, die sich die Pipeline in Ecuador schnappten. Dass sich Enron überall die Wassersysteme unter den Nagel reißt, hatte ich schon erwähnt. Und das Problem ist, dass sie diese Systeme auch zerstören. Mittlerweile kannst Du in Buenos Aires kein Trinkwasser mehr bekommen. Ich meine, dass ist nicht mehr eine Frage von Diebstahl. Du kannst den Hahn nicht mehr aufdrehen. Das ist mehr als nur reich werden auf öffentliche Kosten.(..)
IWF und Weltbank sind zu 51% im Besitz des US-Schatzamts. So fragt es sich, was wir für das Geld bekommen, das wir hier hineinstecken. Und es sieht aus, als bekämen wir in verschiedenen Ländern nur Chaos. In Indonesien brennt es. Der Weltbank-Chefökonom Stiglitz sagte mir, dass er begonnen hatte, Fragen zu stellen: In jedem Land, in das wir gehen und uns einmischen, zerstören wir die Ökonomie und setzen alles in Flammen. Und er meinte, dass er wegen dieser Fragen gefeuert wurde. Darüber hinaus sagte er noch, dass sie sogar Aufstände einplanen. Sie wissen, wenn sie ein Land ausquetschen und seine Ökonomie zerstören, dann Aufstände in den Strassen die Folge sind. Und sie sagen, tja, das ist der IWF-Aufstand. In anderen Worten, wenn du diese Aufstände hast, hast du verloren. Alles Kapital flüchtet aus deinem Land und das gibt dem IWF die Möglichkeit, dann noch weitere Bedingungen zu stellen. (..)
Nach den Anschlägen vom 11. September rannte Bush herum und sagte, wie müssen 50-100 Milliarden Dollar ausgeben, um die Wirtschaft in Gang zu halten. Wir kürzen nicht den Haushalt, wir versuchen die Wirtschaft zu retten. Doch diesen Ländern erzählen sie nur eins: ihr müsst kürzen, kürzen, kürzen. Und warum? Nach diesen internen Dokumenten vor allem deshalb, damit sie ihre Zahlungen an die ausländischen Banken leisten können - und diese Banken verlangen Zinsen zwischen 21% und 70%. Das sind Wucherzinsen. Tatsächlich war es so schlimm, dass sie von Argentinien verlangten, seine Gesetze gegen Kredithaie abzuschaffen, weil sonst alle Banken als Kredithaie dagestanden wären."
Hier haben wir, wie in einer Nussschale, die Grundzüge des großen Spiels.
Schritt 1: Knüpfe die Kreditvergabe durch IWF/Weltbank an maximale "Privatisierung" öffentlichen Besitzes, besteche die Verantwortlichen und bringe die Schlüsselindustrie unter Kontrolle.
Schritt 2: Verordne zum Zwecke der Konsolidierung Haushaltskürzungen, Sparmaßnahmen, Abbau des Sozialsystems etc., um die Bedienung der Kredite aufrechtzuerhalten. Nimm dabei den starken Niedergang der Inlandsproduktion, Bevölkerungsaufstände und Kapitalflucht in Kauf.
Schritt 3: Ist die Wirtschaft weitgehend zerstört und das Land zu einer Eigenversorgung nicht mehr in der Lage, öffne die Zollgrenzen für fremde Produkte und nimm für Lebensnotwendiges (wie Medikamente) horrende Preise und Zinsen.
Schritt 4: Installiere eine militarisierte Firmen-Regierung, die fortan die Geschäfte der "Kolonie" wieder gewinnbringend betreibt und mögliche Sklavenaufstände im Keim erstickt.
Die Überschrift "Conspiracy" für diese globalisierte Form des Welthandels scheint unangemessen; sie geschieht, abgesehen von konspirativen "agreements of understanding", wie sie Greg Palast in die Hände kamen, weitgehend offen und unter aller Augen. Mit Mullah Omar und seiner Taliban-Regierung wurde bis August 2001 über die Pipeline durch Afghanistan verhandelt. Ihr o.k. zu den amerikanischen Konditionen hätte ihnen einen "Teppich voller Gold" (sprich: neue IWF/Weltbank-Kredite) eingebracht, ihr Nein - und ihr offenbares Desinteresse an einem Zubrot auf einem diskreten Konto - brachte ihnen dann den vom US-Verhandlungsführer angedrohten "Teppich von Bomben". Und mittlerweile, mit einem ehemaligen Unocal-Berater als Präsidenten Afghanistans, auch ein "corporate government" bzw., um mit dem Titel von Palasts letzte Woche erschienenem Buch zu sprechen: "Best democracy money can buy".
Wer mit Geld für diese "Demokratie" nicht zu haben ist, muss sich mit Bomben nachdrücklich überzeugen lassen. Dank des 11.9. und des neuen "war on terror" braucht es dafür nicht einmal mehr eine Entschuldigung. Insofern war der Usama-Fake, der ihn möglich machte, vielleicht die letzte groß-konspirative Aktion des bushistischen Imperiums, das die Krallen seiner Macht nunmehr gänzlich ungeniert spielen lassen kann. Wer im Ausland Post aus dem einstigen "Land of the Free" bekommt, kann den neuen imperialen Anspruch und die alte Tradition - von Cäser über Hitler zu Bush - schon deutlich erkennen, auf den Briefmarken.
Mathias Bröckers 03.04.2002
The WTC Conspiracy XL
Ich habe in letzter Zeit einige Einladungen wahrgenommen, über die Ereignisse um den 11. September vorzutragen oder zu diskutieren. Dabei vergesse ich nie den Hinweis, dass es sich bei der offiziellen Version der Ereignisse meines Erachtens um eine lupenreine Verschwörungstheorie handelt, während es mir mit meinen Anmerkungen gerade nicht darum geht, eine solche aufzustellen, sondern eher um die Einladung zu einer Anti-Verschwörungs-Verschwörung. Dennoch erreicht mich nach den Veranstaltungen dann per Email oder von Zuhörern, die mich direkt beiseite nehmen, immer wieder dieselbe Frage: "Was glauben Sie denn jetzt wirklich?"
Je nach Perspektive der Fragenden wird dann manchmal noch konkretisiert: "... es war doch die CIA (bzw. der Mossad, die Skull & Bones-Brüder, die Öl-Mafia ), oder ?" Worauf ich normalerweise mit dem Hinweis ausweiche, dass es doch naiv wäre, eine amtliche Verschwörungstheorie einfach mit einer alternativen zu ersetzen. Auch wenn die Unübersichtlichkeit, die Unsicherheit, die Unschärfe schwer zu ertragen sind, es gilt, sie auszuhalten. Nichts ist wohltuender für den von Komplexität geplagten Geist als eine rundherum stimmige Theorie - eben daher erklärt sich der grandiose PR-Erfolg der Bin Ladin-Al Qaida-Weltverschwörungstheorie und der auf ihr basierenden Erklärung des "war on terror".
Der psychologische Schock des WTC-Anschlags, die anfangs auf bis zu 50.000 geschätzte Zahl der möglichen Opfer, das unfassbare, in slow motion permanent wiederholte babylonisch-apokalyptische Ereignis, die völlig aus den Fugen geratene Welt - "Nichts ist mehr, wie es war" -, die durch dieses Chaos ausgelöste allgemeine, hochgradige Verwirrung schrie nach einer Erklärung, einer Lageeinschätzung, einem Plan. Und eben dies lieferte George W. Bush auf perfekte, weil absolut einfache Weise: Er präsentierte einen Täter und erklärte ihm den Krieg.
Der ekstatische, an Reichsparteitage mahnende Jubel, der dem Präsidenten nach seiner Kongressrede zuteil wurde, kam nicht von ungefähr - in diesem Moment, in dem er die verängstigten, handlungsunfähigen Seelen der Masse wieder aufrichtete, kamen ihm tatsächlich Qualitäten eines Führers und Erlösers zu. Dass er nur eine simple Verschwörungstheorie verkündete und auf ihr eine Kriegserklärung aufbaute, tat der erlösenden Wirkung keinen Abbruch - auch Hitler hatte bekanntlich nichts anderes zu bieten. Es leuchtete in den Augen der jubelnden, fähnchenschwingenden Masse, die innere Verwirrung und Verunsicherung war beendet, es gab eine Lösung, einen Feind, ein Ziel.
Dass Beweise für die Täterschaft Bin Ladins kaum vorhanden waren; dass er selbst, in einem von niemandem bezweifelten, authentischen Video jede Beteiligung an den Anschlägen abstritt; dass die in den Tagen und Wochen darauf präsentierten Spuren keine gerichtstauglichen Beweis für die Täterschaft Bin Ladins oder seine Verbindung mit den angeblichen Hijackern lieferte - diese fehlende Evidenz tat dem Erfolg der offiziellen Verschwörungstheorie keinen Abbruch. Durch permanente Wiederholung auf allen Kanälen wurde die Botschaft in die Köpfe gehämmert - und Fragen und Zweifel konsequent ausgeblendet. Skepsis zu äußern, bedeutete Exkommunikation und der Bannfluch lautete "Verschwörungstheorie". Präsident Bush sprach ihn vor der UN-Hauptversammlung am 10.November 2001:
"Wir müssen die Wahrheit über den Terror aussprechen. Lasst uns niemals frevelhafte Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit den Anschlägen des 11. September tolerieren, boshafte Lügen, die bezwecken, die Schuld von den Terroristen selbst abzulenken, weg von den Schuldigen."
Somit war jede alternative Sicht auf die Ereignisse als "outrageous" - "frevelhaft, abscheulich, verbrecherisch" - disqualifiziert, und zwar ex cathedra und ganz im Stil der mittelalterlichen Dämonologie, deren Experten - die "Heilige Inquisition" - ja ebenfalls die Wahrheit als ihren Privatbesitz reklamierte und somit auch die alleinige Definitionsmacht über Dämonen, Teufel und das zu bekämpfende Böse. Dass der Präsident seinen Krieg "Kreuzzug" nannte und dessen Ziel eine "Achse des Bösen" - Begriffe, die ihm seine PR-Berater des Rechtsaußen-Think-Tanks "Manhattan Institute" empfohlen hatten - passt in das archaische Bild.
Im Zusammenhang mit der Beobachtung der Affenforscherin Jane Godall, dass Schimpansen bei Gewittern auf Hügel rennen, und mit Knüppeln gen Himmel drohen - in Richtung des vermeintlichen Verursachers und Sündenbocks - hatte ich mich gefragt, ob uns als domestizierten Primaten genetisch vielleicht so etwas wie ein Sündenbockreflex eingebaut ist, der im Falle von Katastrophen und Chaos einerseits eine emotionale Abfuhr der Angst ermöglicht und andererseits den Zusammenhalt des Rudels durch Fokussierung auf einen gemeinsamen "Feind" gewährleistet. Nur mit einem solchen eher instinktiven Reflex, einer mehr auf archaischem Herdentrieb als auf individueller Vernunft basierenden Reaktion scheint mir der Erfolg von Bushs Kriegspolitik erklärbar.
Diesem eher instinktiven Herdentrieb, der im Ausnahmezustand (ganz im Carl Schmittschen Sinne) nach einer klaren Freund/Feind-Unterscheidung verlangt - und nicht einer rationalen, kritisch-distanzierten Beurteilung der Faktenlage -, ist auch die frappierende Gleichschaltung der Medien nach den Anschlägen zu verdanken. Man braucht bei dem verrufenen Stichwort "Gleichschaltung" nicht gleich an einen riesigen Orwellschen oder Goebbelsschen "Wahrheits"- und Propaganda-Apparat denken. Obwohl auch derlei Zensur und Desinformation seit dem 11. September fraglos stattfinden, erklären sie nicht die nun schon über ein halbes Jahr währende Hingabe der Medien an die offizielle Version der Ereignisse. Das beschwörende, von keinem differenzierenden Gedanken getrübte Wiederholen der Verschwörungstheorie "Bin Ladin" war nicht Legionen von Zensurbeamten geschuldet, die hinter jedem Schreibtisch die Nachrichten filtern, sondern der Tatsache, dass wir auch als hoch technisierte und vernetze Gesellschaft die rudimentären Reaktionsweisen von Primaten nicht abgelegt haben. Und dies gilt nicht nur für die "dumpfe Masse", sondern auch für kleine, gut informierte Gruppen wie Journalisten, Reporter, Kommentatoren.
Der Mythos, dass die "freie Presse" in demokratischen Staaten als vierte Gewalt, als Korrektiv politischer Ausnahmesituationen, fungiert, er wurde wohl nie gnadenloser demontiert als in der Berichterstattung nach dem 11. September. "Unabhängigkeit", "Überparteilichkeit", "Fairness", "Objektivität" - diese Insignien, mit denen sich die Medien gern pathetisch schmücken, als das World Trade Center in Trümmer fiel, wurden auch sie begraben. Es wäre freilich naiv gewesen, etwas anderes zu erwarten - für die Medienwissenschaft ist es schon länger kein Geheimnis mehr, dass schon bei sehr viel unbedeutenderen Skandalen die Standesprinzipien der Presse über Bord gehen.
Wie der Publizistikprofessor Mathias Kepplinger am Beispiel einiger Skandale aus der jüngeren Zeit - BSE, Neonazi-Übergriffe, CDU-Spendenskandal - gezeigt hat, (Mathias Kepplinger: Die Kunst der Skandalierung und die Illusion der Wahrheit. Olzog-Verlag, München 2001) neigen die Medien bei unklarer Faktenlage tendenziell zur Übertreibung und Dramatisierung der Ereignisse. Kepplinger führt dies zurück auf die "Art und Weise, wie wir in Situationen mit großer Unsicherheit kommunizieren". Die dabei ablaufenden Prozesse der Wahrheitsfindung seien weniger rational als gruppendynamisch begründet :
"Beschreiben mehrere Personen in einer Gruppe nacheinander ihre Beobachtungen, gleichen sich ihre Urteile schnell an, weil eine Gruppennorm, eine in der Gruppe allgemein akzeptierte Sichtweise entsteht."
Je dramatischer das Ereignis und je unübersichtlicher die Lage, desto größer der Zwang, zu einer solchen Norm zu kommen. Hätte es also Usama und seine 40 Räuber nicht gegeben, man hätte einen Feind wie ihn in diesem Moment erfinden müssen, schon aus gruppendynamischen Gründen .
Wie hätte nun eine weniger primatenhafte, intelligentere Reaktion ausgesehen? Der entscheidende Faktor, der das ganze Geschehen treibt, ist der Schrecken und die von ihm ausgelöste Angst. Welche Operatoren auch immer hinter den Anschlägen stecken, ihre Rechnung setzt ganz auf die Angst, die der von ihnen ausgelöste Schrecken verbreitet. Doch schon dieser Gedanke, dass die Täter ja mit einer Angst- und Panik-Reaktion rechnen, stellt eine höhere Intelligenzleistung dar, eine erweiterte Wahr-nehmung. Für wahr wird nicht mehr nur der Schrecken genommen, sondern auch ein dahintersteckender Verursacher, dessen Absichten ins Kalkül gezogen werden. Diese Wahrnehmung, der konspirologische, skeptisch-paranoische Blick, eröffnet den Reaktionen auf den Schrecken über die Panik hinaus zusätzliche Möglichkeiten. Dass man George W. Bush in den Tagen nach den Anschlägen allgemein "Besonnenheit" attestierte, nur weil er nicht gleich wahllos mit Atombomben um sich warf, erklärt sich allein aus der Herdenpanik, die im Katastrophenfall nach (notfalls blindem) Aktionismus schreit.
Die neue Inquisition, die sich im Besitz der "Wahrheit über den Terror" befindet und zum Kampf gegen "frevelhafte Verschwörungstheorien" aufruft, wurde nicht von ungefähr Mitte November verkündet - in den Tagen zuvor hatten französische Medien gemeldet, dass das letzte Treffen von Bin Ladin und der CIA in Juli 2001 im "American Hospital" in Dubai stattgefunden hätte (siehe Usama meets CIA) - und die Mär von der lange beendeten Zusammenarbeit mit islamistischen Terroristen aufzufliegen drohte. Einem Bericht des CBS-Korrespondeten Barry Petersen zufolge dürfte den US-Geheimdiensten auch bekannt gewesen sein, wo sich Bin Ladin um den 11.9. herum befand: am Abend zuvor wurde er in das Militärkrankenhaus in Rawalpindi zu einer Dialyse-Behandlung eingeliefert. Der Mastermind des avanciertesten Terroranschlags der Geschichte hängt also während des finalen Countdowns am Tropf des pakistanischen Militärs und wird vor einem Nierenversagen gerettet - wenn hoffentlich bald die Terrorklamotte "Die nackte Kanone 23,5" gedreht wird, dürfte das eine schöne Szene abgeben.
"Ja aber was glauben Sie denn jetzt wirklich?"
Wer in den Seminaren des "Kybernethik"-Professors Heinz von Foerster so fragte, musste einen Dollar in die Klassenkasse zahlen, wurde der Begriff "Wahrheit" benutzt waren sogar zwei Dollar fällig.
Der Begriff Wahrheit", so von Foerster, "bedeutet Krieg.(..) Er erzeugt die Lüge, er trennt die Menschen in jene, die recht haben, und jene die - im Unrecht sind. Wahrheit ist, so habe ich einmal gesagt, die Erfindung eines Lügners.
Heinz v. Foerster, Bernhard Poerksen: "Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners", Carl Auer Verlag 1998
Ich plädiere auch im Zusammenhang mit dem 11. September dafür, jede Beobachtung untrennbar mit dem Beobachter zu verknüpfen. Mir selbst geht es bei der Beschäftigung mit diesen Fragen manchmal so wie dem vom Teilchen/Welle-Paradox geplagten Quantenphysiker: Je genauer man die eine Seite des Systems fixiert, desto stärker gerät die andere aus dem Blickfeld. Aber ist es, im Ausnahmezustand, nicht vorbei mit Schrödingers Katze und Einsteins Maus? Musste da nicht die Kiste geöffnet und Eindeutigkeit herbeigezwungen werden, um zur Tat schreiten zu können? Wenn dem so ist, wenn die verängstigte Herde nach Aktion, die Primaten-Meute nach Rache schreit und ein klares Freund/Feinbild geschaffen werden muss - und die Stunde jener grauenhaften Wahrheiten schlägt, die Krieg bedeuten -, kann die Gegenstrategie nur lauten, dem "Frevel", den "boshaften Lügen", der Ablenkung von den "wahren Schuldigen" weiter Auftrieb und Öffentlichkeit zu verschaffen.
Mathias Bröckers 12.04.2002
The WTC Conspiracy XLI
"Spion jagt Spion" hieß eine berühmte Serie des Magazins "Mad". Folgt man dem britischen Historiker R. J. Blackburn dann steht diese verrückten Jagd mehr oder weniger im Zentrum aller Staaten und Mächte. Nach Blackburns These sind Stämme, Nationen, Staaten ohne Geheimdienste nicht lebensfähig, weil es zum einen immer einen anderen Stamm gibt, von dem man sich abgrenzen oder schützen muss. Und weil zum anderen auch im Inneren stets potentielle Feinde lauern, die am Stuhl des jeweiligen Machthabers sägen und vor denen es auf der Hut zu sein gilt.
So wie es im Wirtschaftsleben gilt, der Konkurrenz möglichst auf die Schliche zu kommen und eigene Vorhaben und Entwicklungen vor ihr verborgen zu halten, ist konspiratives, verschwörerisches Verhalten auch dem Leben der Staaten eingeboren. "Wer in Washington nicht paranoid ist, spinnt", diese Henry Kissinger nachgesagte Weisheit - und seine diesbezüglichen Aktivitäten als Minister und "Security Adviser" - haben für ihn persönlich dazu geführt, dass er sein Land kaum noch verlassen kann, ohne dass ihm ein Haftbefehl wegen Kriegsverbrechen unter die Nase gehalten wird. Als einem der Verantwortlichen für jene Terroranschläge am 11. September 1973, mit denen der chilenische Präsident Allende aus der Regierung gebombt wurde - ein merkwürdiger Fall von Datumsmagie, der aber beispielhaft zeigt, wie die grundsätzlich paranoische Geheimpolitik der Staaten auch eine geheime, inoffizielle und tendenziell terroristische Außenpolitik gebiert.
"Wir beseitigten die Regierung von Guatemala, als uns ihre linke Richtung missfiel; wir versuchten einen Bürgerkrieg gegen Sukarno in Indonesien anzuzetteln; wir intervenierten, um den Schah wieder auf den Thron in Iran zu bringen, nachdem (der gewählte Ministerpräsident) Mossadegh die Monopolherrschaft von British Petroleum über das iranische Erdöl gebrochen hat; wir versuchten in der Schweinebucht eine Konterrevolution in Kuba zu starten; wir führten sogar einen geheimen Krieg in Laos und bezahlten Angehörige des Meo-Stamms und thailändische Söldner, dass sie da für uns kämpften.
Alle diese Einsätze wurden ohne Wissen und Einverständnis des Kongresses begonnen. Kein Land war zu klein, kein Staatsmann zu unbedeutend, um unserer Aufmerksamkeit zu entgehen. Wir schickten tödliches Gift mit der Absicht in den Kongo, Lumumba mit einer tödlichen Krankheit zu infizieren; wir bewaffneten Dissidenten in der Dominikanischen Republik, obwohl wir ihre Absicht kannten, (den Staatschef) Truijllo umzubringen; wir waren Teil eines militärischen Staatsstreichs in Südvietnam, mit dem dieselbe Regierung gestürzt wurde, die wir versprochen hatten zu verteidigen; (..) jahrelang versuchten wir, Fidel Castro und andere kubanische Staatsmänner zu ermorden. Die verschiedenen Anschläge verteilten sich auf drei US-Regierungen und schlossen eine ausgedehnte Zusammenarbeit zwischen CIA und Mafia ein."
Dieses Sündenregister stammt nicht von einem frevelhaften, anti-amerikanischen Verschwörungstheoretiker, sondern vom damaligen Leiter des Geheimdienstauschusses, dem US-Senator Frank Church, der die Veröffentlichung des 350-seitigen Untersuchungsberichts "Alleged Assassination Plots Involving Foreign Leaders" (Angebliche Mordpläne an ausländischen Politikern, 1975) mit einigen Worten zum "Sumpf der amerikanischen Außenpolitik" einleitete (aus: "Mordreport", Sonderdruck der Zweiwochenschrift Ossietzky, 12/01).
Das war 1976 - und angesichts der haarsträubenden Fakten des Senatsberichts erließ der amtierende Präsident Ford sogleich ein offizielles Verbot solcher Auftragsmorde ( Lizenz zum Töten). Das bedeutete jedoch nicht, dass danach - in Nicaragua, Grenada, El Salvador, Panama, Irak, Afghanistan - alles mit rechten Dingen zuging. Die Liste macht aber deutlich, wie die chronische Paranoia als Grundhaltung eines Staats dazu führt, sich selbst von kleinen Bananenrepubliken verfolgt zu fühlen und diese "Bedrohung" notfalls mit Gewalt und Terror auszuschalten. Wer allüberall eine geheime Verschwörung von "Feinden" wittert - "Linke", "Liberale", "Kommunisten", "Terroristen" -, dem bleibt nichts anderes, als ebenso geheim und konspirativ zurückzuschlagen. Dieser Hang zu Bekämpfung wirklicher oder eingebildeter Verschwörungen führt nun aber nicht zur Eindämmung konspirativen Verhaltens, sondern produziert und fördert es geradezu - und nirgends scheint die paradoxe Spirale von Misstrauen, Paranoia, Konspiration und Terror besser zu beobachten als derzeit in Palästina.
Würde man einen Außerirdischen als objektiven Schiedsrichter dieses Konflikts heranziehen, könnte er schon mit wenigen Blicken auf die Landkarten feststellen, wem hier die Rolle des Angreifers und des Verteidigers zukommt. Auch das angeblich "großzügige Angebot" von Israels Präsident Barak vom Dezember 2000 erwiese sich bei einem Blick auf die Karten als klassische Mogelpackung, um den historischen Kompromiss des Oslo-Vertrags von 1993 , bei dem die PLO schon auf 78% von Palästina verzichtete, weiter zu unterminieren. Der Rückzug auf die Grenzen von 1967, so stellte Ministerpräsident Scharon beim arabischen Gipfel in Beirut noch einmal unmissverständlich fest, bedeute "die Zerstörung des Staates Israel".
Mit dieser Parole von der drohenden Zerstörung hat Israel, wie die Karten zeigen, sich seit seiner Gründung 1947/48 massiv ausgebreitet. Umgeben von Feinden ringsum, die allen Grund zur Paranoia gaben, schien dem jungen Staat nichts anderes zu bleiben, als sich durch Angriffe und Eroberungsfeldzüge zu verteidigen. Und er setzte dabei vor allem auf jene Mittel, mit denen schon die Pioniere und Staatsgründer gegen britische Besatzer und palästinensische "Ureinwohner" erfolgreich waren: Gewalt und Terror. Die berüchtigte "Stern"-Bande und ähnliche Terrorgruppen, aus denen viele später ehrenwerte Präsidenten und Minister hervorgingen, legten den Grundstein für die Expansionspolitik, wie sie Israel bis zum heutigen Tag betreibt. Mit so großem Erfolg und Rückhalt in der Bevölkerung, dass Scharon im Windschatten des "war on terror" nun einen erneuten Eroberungsfeldzug starten konnte - um alsbald jeden Rückzug wieder als drohende "Zerstörung des Staats Israel" hinzustellen.
Mit dieser seit über einem halben Jahrhundert erfolgreichen Taktik wird Scharon genauso wenig brechen können wie sein Gegenüber Arafat - beide haben eine Sozialisation von Paranoia, Konspiration und Terror genossen, beide sind gewohnt, über Leichen zu gehen und so als gewalttätige Verschwörer und propagandistische Verschwörungstheoretiker an die Spitze ihrer jeweiligen Staaten gekommen. Ein Bombenerfolg: Nie war Israel so groß wie heute - und nie fand Palästina eine größere Anerkennung in allen Teilen der Welt als heute (der deutsche PLO-Vertreter Frangi, früher eher eine linke Un-Person, erhält mittlerweile selbst auf CDU-Parteiversammlungen rhythmische Beifallsovationen).
Spätestens die groteske Demütigung und Isolierung Arafats - bei gleichzeitigem Verlangen, doch gefälligst gegen den Terror vorzugehen - zeigt, welches "Spion jagt Spion"- bzw. "Terrorist jagt Terrorist"-Spiel diese beiden alten Männer hier spielen. Wenn die Aussage Kissingers zutrifft - "Wer in Washington nicht paranoid ist, spinnt" - müsste sie auf Palästina bezogen lauten: "Wer in Jerusalem nicht konspirativ und terroristisch agiert, ist lebensmüde." Für Scharon und Arafat, die überlebt haben, bedeutet das: "Wer von zwei chronisch misstrauischen und gewalttätigen Erzterroristen Frieden erwartet, muss schon an Wunder glauben."
Dass David nur mit List und Tücke gegen Goliath bestehen kann, weiß niemand besser als Israel, das mit der viergrößten Armee der Welt aber längst zu einem militärischen Riesen geworden ist. Die "Kill-Ratio" lag schon vor den neuen Besetzungen bei 3:1, d.h. auf jedes von Selbstmordbombern getötetes israelische Opfer kommen mindestens drei palästinensische Tote, bei den Verletzten ist das Verhältnis noch sehr viel ungleicher. Der Staats-Terror Israels produziert also weitaus mehr Opfer als Guerilla-Terror der Palästinenser, wobei es Israel aber bis dato gelungen ist, sich medienmäßig als kleinen, verfolgten David und die Bombenattentäter der Gegenseite als weltbedrohendes Monster zu präsentieren.
Das hat auch einer der hellsten Köpfe der neuen Weltordner, Zbigniev Brzezinski, deutlich erkannt und Anfang April in einer Diskussion mit seinem alten Widerpart Henry Kissinger - verschwörologisch also Rockefeller-Mob vs. Rothschild-Clan - deutliche Worte gefunden.
"Tatsache ist, dass dreimal soviel Palästinenser umgebracht wurden und relativ wenige waren wirklich Militante. Die meisten waren Zivilisten. Einige Hundert waren Kinder. Im Lauf des letzten Jahres hatten wir palästinensischen Terrorismus, aber wir hatten auch vorsätzliche Überreaktionen von Herrn Scharon, die nicht dazu dienten, den Terror zu unterdrücken, sondern die palästinensische Verwaltung zu destabilisieren, um das Oslo-Abkommen auszumerzen, das er stets auf eine Weise denunziert hat, die zu dem Klima beitrug, in dem danneiner der zwei Architekten des Oslo-Vertrags ermordet wurde."
Nach dem zu erwartendem Einspruch von Kissinger, der diese Einschätzung seines "Freundes Zbig" nun gar nicht teilt - er plädiert ohnehin schon seit längerem für ein Ausweitung des US-Kriegs nach Irak und da scheint die Fortsetzung von Scharons Eroberungsfeldzug durchaus passend, weil sie die arabische Welt zur Weißglut bringt - fuhr Brzezinski noch schärfer fort:
"Es ist absoluter Schwachsinn zu behaupten, dass Arafat den Terror stoppen kann, und der Präsident ist - milde gesagt - 'schlecht informiert' wenn er dies unterstützt. Dieser Mann ist isoliert. Und Scharon versucht, die Palästinenser zu unterdrücken, der Terrorismus wird nicht gestoppt. Wie kann man das von Arafat erwarten? Doch Tatsache ist, dass seine Möglichkeit, die Lage kontrollieren zu können, erheblich wachsen würde, wenn eine ernsthafte Bewegung auf einen politischen Prozess hin stattfindet, in Richtung einer politischen Lösung - und dass die USA dabei die Führungsrolle übernehmen."
Hier kann man Brzezinski nur zustimmen - wenn schon neue Weltordnung, dann auch Ordnung; wenn schon Pax Americana und militärische Sicherheitsgarantien, dann auch für Palästina - doch ganz offensichtlich scheint in der Bush-Administration niemand auf ihn zu hören. Außer einem zaghaften "Doo Doo" hat der große Onkel Sam dem wütenden Ariel noch keine ernsthaften Ermahnung zukommen zu lassen - offensichtlich scheint ihm sein mörderisches Wüten ins Konzept zu passen. Die russische Pravda wunderte sich jedenfalls am 4. April darüber, warum Scharon bei seinen Säuberungen zwar gegen Arafat und die "moderaten" Palästinenser-Autoritäten vorgeht, nicht aber gegen die radikale "Hamas", deren Aktivitäten Israel einst unterstützte, um ein Gegengewicht zu Arafats PLO aufzubauen.
Geht es vielleicht nur darum, die arabische Welt so zu provozieren, dass sie den ersten Schuss abgibt - auf dass die "Achse des Bösen" - nach dem sang- und klanglosen Verschwinden von Usama - endlich ihre Fratze zeigt und gegen Saddam losgeschlagen werden kann? Zumindest ist es absolut erstaunlich, wie ein historisches Datum - das Angebot der Anerkennung Israels durch den reaktionärsten aller islamischen Staaten, Saudi Arabien, und die gesamte arabische Liga auf der Araber-Konferenz in Beirut - so völlig ignoriert werden und auf keinerlei Resonanz stoßen konnte.
Auf eine Antwort werden wir, so Robert Fisk, Nahost-Beobachter des britischen "Independent", nicht mehr lange warten müssen: "Diese Woche wird entscheidend sein für die amerikanisch-israelischen Beziehungen. Wir werden herausfinden, wer Amerikas Politik im Mittleren Osten bestimmt. Die USA oder Israel. Es wäre schön zu denken, dass es die ersteren wären. Aber ich bin nicht sicher."
Mathias Bröckers 19.04.2002
The WTC Conspiracy XLII
"Hören Sie auf, mir Emails zu schicken. Sie wissen, wer gemeint ist. Und Sie wissen, welche Emails ich meine ... OK, ich werde es sagen: diese weitergeschickten Emails, die suggerieren oder geradewegs behaupten, dass die CIA und die US-Regierung irgendwie in die grauenhaften Anschläge vom 11. September involviert sind", beschwerte sich unlängst der Washington-Redakteur des Magazins The Nation, David Corn, über die Hinweise, seinem Job als politischer Journalist ordnungsgemäß nachzukommen.
Alles Verschwörungstheorien, die "zu blöde sind, um darauf zu antworten". Wie zum Beispiel:
"Emails über einen Burschen, der in Kanada einsitzt, behauptet ein ehemaliger US-Geheimdienstmitarbeiter zu sein und angeblich schriftliche Warnungen vor den Anschlägen Mitte August an seine Wärter übergab. Oder Emails, die italienische Zeitungsberichte zitieren, nach denen Usama Bin Ladin im Juli im American Hospital in Dubai an seinen Nieren behandelt wurde und sich dort mit einem CIA-Offiziellen traf. Dann gibt es Emails, die sich auf ein in Frankreich erschienenes Buch beziehen, das feststellt, die Attacken seien einen Monat später gekommen, nachdem die Verhandlungsführer der Bush-Regierung, die mit den Taliban über ein Pipeline-Projekt verhandelten, den Afghanen gedroht hätten: 'entweder ihr akzeptiert unser Angebot eines Teppichs voller Gold oder wie beerdigen euch unter einem Teppich von Bomben'."
Nun haben diese Behauptungen, die Corn schlicht für "Scheiß" (crap) hält, und die daraus zu ziehenden Schlussfolgerungen, die er als "verrückt" bezeichnet, schon ein bisschen mehr Wertigkeit als eine bloße Email. Das Zitat aus den Geheimverhandlungen mit den Taliban wurde vom pakistanischen Außenminister wiedergegeben, der Bericht über Usamas CIA-Meeting stammt ursprünglich aus dem französischen "Figaro" und beruft sich auf Beobachtungen des französischen Geheimdiensts; und der in Kanada einsitzende Delmart "Mike" Vreeland konnte seine Zugehörigkeit zur US-Navy einem Gericht in Toronto eindrucksvoll beweisen: Sein Anwalt rief aus dem Gerichtssaal die Telefonvermittlung des Pentagon an und ließ sich Vreelands Büronummer und Durchwahl geben.
Das sagt alles noch gar nichts. Kann der Navy-Geheimdienst so dumm sein, einen zu heiß gewordenen Agenten nicht aus seinem Telefonbuch zu streichen ? Hat Frankreich nicht eigene geopolitische Interessen und ein Motiv, mit Desinformation Sand ins Getriebe der US-dominierten Allianz zustreuen? Ist Pakistans Außenminister als Bundesgenosse der Taliban ein glaubwürdiger Zeuge? Doch solche Fragen stellt Corn erst gar nicht, seine Begründung aber, warum dieser ganze Verschwörungsscheiß "absurd" ist, verdient festgehalten zu werden:
"Wären U.S.-Offizielle fähig zu solch einer niederträchtigen Tat? Fähig im Sinne von in der Lage dazu zu sein, sie durchzuführen, und willens dazu. Um es einfach zu sagen: Die Spione und Spezialagenten sind nicht gut genug, böse genug und nicht mutig genug, so eine Operation zu inszenieren. Dieser Schluss basiert teilweise auf, ich darf sagen, gesundem Menschenverstand, aber ich habe mich auch jahrelang mit Themen der nationalen Sicherheit beschäftigt (für ein Buch, das ich über die CIA schrieb, habe ich Interviews mit über 100 ihrer Angestellten geführt). Nicht gut genug: So ein Plot - die simultane Zerstörung der beiden Türme, und Teile des Pentagons, und vier Flugzeuge, die es aussehen lassen, als ob alles von jemand anderem begangen worden sei: das ist weit jenseits des Fähigkeits-Levels der US.Geheimdienste."
Dank dieser Aufklärung durch einen ausgewiesenen Experten, der u.a. über 100 CIA-Angestellte interviewt hat, können wir jetzt auch erahnen, was die Fähigkeiten der US-Geheimdienste trotz 30 Milliarden $ Jahresetat weit überschreitet: eine Höhle, ein Bösewicht und 19 Räuber mit Cessna-Flugstunden. Obwohl einer der prominentesten der intellektuellen Debunker von "Verschwörungs-Schwachsinn" scheint sich auch David Corn der Schwäche dieses Arguments bewusst zu sein, und sieht sich deshalb genötigt, im "Schlamm" einiger Verschwörungstheorien zu wühlen, um sie beispielhaft zu zerpflücken.
Dass er sich dabei das vermeintlich schwächste Glied - die Geschichte von Delmart Vreeland - und ihren lautstärksten Vertreter - den "Cop vs CIA" und "Form The Wilderness"-Herausgeber Mike Ruppert - vornimmt, ist legitim, doch mit deren Antwort hat Corn wohl nicht gerechnet - und sie dürfte unter dem Teppich der liberalen "The Nation" genauso verschwinden, wie die kritischen Fragen der Kongressabgeordneten McKinney unter dem Teppich der nationalen Sicherheit.
Der merkwürdige Fall des windigen kleinen Agenten Delmart "Mike" Vreeland, der im Dezember 2000 in Kanada verhaftet wurde und im August 2001 seinen Gefängniswärtern eine Notiz zukommen ließ, in der er vor einem großen Anschlag auf exponierte Ziele in den USA warnte, ist aufmerksamen Lesern dieser Serie schon seit Mitte Oktober bekannt ( Juli 2001: Usama meets CIA!). Im Februar berichteten wir von dem Gerichtsverfahren und dem spektakulären Beweis für seine Identität als Navy-Mitarbeiter ( Von Al-Capone-Land nach Pipelineistan). Mittlerweile ist der 35-jährige Vreeland, der wegen Kreditkartenbetrugs angeklagt war, vom Gericht in Toronto gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt worden - und kämpft jetzt juristisch gegen das Auslieferungsersuchen der USA, das er nach eigenen Befürchtungen nicht länger als ein paar Stunden überleben würde.
Er hat einen offenen Brief an David Corn von "The Nation" geschrieben, sowie Mike Ruppert in einem ausführlichen Interview 35 Fragen beantwortet. Danach hat Vreeland, der aus Moskau kommend in Toronto festgenommen worden war, von den geplanten Anschlägen erstmals Anfang Dezember 2000 erfahren, aus dem Dokument eines US-Agenten, der zu der Kopie einer Warnung gekommen war, die Russlands Präsident Putin aus dem Irak von Saddam Husseins Sohn zugestellt worden sein soll. Nachdem die kanadischen Behörden Vreelands Ersuchen, mit dem Militärgeheimdienst zu sprechen, abgelehnt hatten, schrieb er im August jene ominöse, hastige Notiz, die seine Wächter dann versiegelt zur Habe nahmen und erst am 14. September wieder öffneten. Neben einer Liste mit Gebäuden - WTC, Sears Towers, White House, Pentagon - enthält der Notizzettel auch den merkwürdigen Satz: "Let one happen, stop the rest" - Lass eins passieren, stoppe die anderen" - zu dem sich Vreeland im Interview auf Rat seiner Anwälte aber nicht äußert. Auf die Nachfrage Mike Rupperts, ob dieser Satz nicht impliziere, dass die Vereinigten Staaten oder ein anderer Geheimdienst die ausführende Terrorzelle komplett unterwandert habe, antwortete er:
"Das stimmt ohne Frage. Manchmal schaffen bestimmte Regierungen Netzwerke wie al-Qaida, die in Afghanistan ja wirklich die Regierung waren. Und diese Einheiten schaffen dann spezielle Probleme im Sinne der sie steuernden Regierung."
- Wissen Sie, wer diese Unterwanderung ausführt hat?
"Ich kann dazu keinen Kommentar abgeben."
- Ist es möglich, dass die Terrorzellen "geführt" wurden, ohne dass sie davon wussten?
"Absolut."
Mir schien die Geschichte dieses kleinen Agenten, der mit seiner von der Navy finanzierten Kreditkarte einen auf James Bond macht, Edel-Champanger kistenweise ordert und als Yachtkäufer auftritt, von Anfang an realistisch. Auch dass er bei seinen Spionagetrips nach Moskau, bei denen es angeblich um ein Projekt "Red Mercury" - basketball-große Atomsprengkörper - ging, von Kollegen am Rande etwas über die Warnung vor diesen Anschlägen erfahren hat, ist glaubhaft - und dass er dieses Wissen jetzt, wo ihn sein Arbeitgeber wegen seines windigen Agentenlebens via Kreditkarte hochgehen (bzw. einfahren) lässt, nutzt. um seine Haut zu retten, scheint logisch. Ebenso wie die Methode der Geheimdienste, "hot potatoes" unter ihren Undercover-Agenten im Falle eines Falles mit fingierten Anklagen und anderen Tricks aus dem Verkehr zu ziehen - und abzustreiten, jemals mit ihnen zu tun gehabt zu haben.
Nehmen wir einmal an, Vreeland sei wirklich nur ein gewöhnlicher Betrüger und Kreditkartenschwindler, was würde ihm so eine Geheimdienst-Räuberpistole, wie er sie den kanadischen Behörden lieferte, in diesem Fall nützen? Müsste er, wenn er ernsthaft auf einer völlig erfundenen Identität als Agent beharrt, nicht eher damit rechnen, in der geschlossenen Abteilung der Klapsmühle zu landen, statt in Freiheit? Also: diese kleine, halb-kriminelle Undercover-Wühlmaus, die seit ihrem Ausscheiden aus der offiziellen Navy für deren Geheimdienst als fester "freier Mitarbeiter" für 4.620 Dollar im Monat im Trüben fischt - dieser Lieutenant Delmart "Mike" Vreeland ist echt. Was aber bringt ihn dann dazu, im August 2001 seine Gefängniswärter vor einem Terroranschlag zu warnen, und die Namen der avisierten Gebäude auf einen Zettel zu kritzeln? Dass er die entscheidenden Fragen in seinem Interview nicht beantwortet, ist nachvollziehbar - schon so dürfte er sich als "whistleblower" seines Lebens augenblicklich nicht allzu sicher fühlen. Doch dank seines Falls könne wir die Szenarien des Vorauswissens um eine weitere Variante ergänzen:
Eine Terrorgruppe, nennen wir sie der Einfachheit halber al-Qaida, plant eine Serie von Anschlägen mit Passagierflugzeugen auf exponierte Gebäude der USA. Planung und Vorbereitung bleiben nicht unentdeckt, im Juni 2000 erfährt - laut Vreeland - der irakische Geheimdienst davon und meldet es im November an das befreundete Russland weiter. Spätestens jetzt erfahren auch die amerikanischen Dienste davon, scheinen aber nichts weiter zu unternehmen - und stattdessen die Parole auszugeben "Let one happen - stop the rest". Das jedenfalls notiert der im Dezember 2000 verhaftete US-Agent Vreeland im August 2001 auf einer warnende Notiz, die bis zum 14. September bei seiner Habe schmort. Was der kryptische Satz meinen könnte, zu dem er sich derzeit öffentlich nicht äußern will, deutet schon die Nachfrage Mike Rupperts an - er klingt wie eine Anweisung an die Undercover-Agenten in dieser Terrorgruppe. Stellt sich die Frage, auf welchen Kanälen diese inoffiziellen Mitarbeiter bei "al-Qaida" eingeschleust werden konnten? Hier bietet sich der pakistanische Geheimdienst ISI an, der engste CIA-Partner in der Region, von dem dann - laut Times of India unter Berufung auf indische Quellen und das FBI - unter anderem Mohammed Atta im Juli mit 100.000 $ bestückt wurde.
Ist al-Qaida am Ende mit inoffiziellen Mitarbeitern ähnlich durchsetzt wie der deutsche NPD-Vorstand mit IM des Verfassungsschutzes? Dann wurde Usama, dem Doppelagenten par excellence, nach seiner Rolle als Watschenmann sicher eine friedvolle Pension versprochen - in irgendeiner saudischen Oase, oder rasiert und mit neuem Pass in Florida ...
Mathias Bröckers 28.04.2002
The WTC Conspiracy XLIII
Einer der Schwachpunkte vieler Verschwörungstheorien liegt in ihrer Überschätzung der Kausalität. Mangels konkreter Beweise werden aus Motiven und Indizien lineare Ursache-Wirkungs-Ketten gestrickt, deren kausale Logik so bestechend ist, dass sie über die fehlenden Beweise leicht hinwegtäuschen. Von ihrer theologischen Vorgängerin, der Dämonologie, haben viele politische Verschwörungstheorien auch die Tendenz zur Mono-Kausalität geerbt, der Rückführung allen Übels auf einen ultra-bösen Drahtzieher. Psychologisch sind solche Dämonisierungen leicht als Projektion innerer Schatten und Ängste zu deuten und je stärker diese ihr paranoisches Unwesen treiben, desto allmächtiger und bedrohlicher müssen die projizierten Übeltäter ausfallen. Insofern geht's in vielen Fällen einfach nicht unter einer veritablen Weltverschwörung zur Übernahme der planetaren Kontrolle.
Tatsächlich tun uns aber auch Verschwörungen in den seltensten Fällen den Gefallen, so gradlinig, mechanisch und kausal abzulaufen, wie sie auf dem Reißbrett der Theoretiker aussehen. Das hat Comic- Zeichner Gerhard Seyfried jetzt auf seinem Wimmel-Diagramm der Weltverschwörung sehr schön deutlich gemacht. Auch wenn die Komplexität realer Verschwörungen nicht ganz so chaotisch ist wie auf diesem anarchischen Schaltplan - so linear wie sie die Theoretiker gerne hätten, sind sie auch nicht. Außerdem scheint auch für nahezu allmächtige Superverschwörer nach wie vor "Murphys Law" - Was schief gehen kann, geht auch schief - zu gelten, wie wir an George W.'s "Schweinebucht", dem gescheiteren Putsch in Venezuela, gerade sehen konnten.
Sind CIA und Co. nicht einmal mehr in der Lage, den Präsidenten einer kleinen Bananen-Öl-Republik zu stürzen? Wozu verballern diese Dienste eigentlich ihre gigantischen Etats? Wozu bilden sie an der "School of Americas" (die führenden venezuelanischen Putsch-Offiziere hatten alle dort ein "Praktikum" absolviert) für teures Geld "Hurensöhne" à la Noriega aus? Wozu füttern sie die konzertierte Medienmacht mit ihren Falschmeldungen und Fakes - die "Dow Jones"-Nachrichtenagentur des "Wall Street Journals" meldete in der Nacht nach dem Putsch neun Mal, dass Präsident Chavez das Land verlassen habe? Wozu stellt die Bush-Administration mit Otto Reich einen überführten Iran-Contra-Verschwörer und rechtsradikalen Putschexperten als Venezuela-Beauftragten ein, der alles einfädeln und arrangieren soll und am Tag zuvor noch mit dem vorgesehen Interims-Diktator letzte Details abspricht ... und dann so ein operettenhaftes Debakel? Hat eine solche Gurkentruppe von Geheimdienst nicht ihr Maximum-SNAFU (Situation Normal All Fucked Up) erreicht?
Die Aktivitäten der USA gegen die großen "Verbrechen" des (im Unterschied zu Bush jun.) mit demokratischer Mehrheit gewählten Präsidenten Chavez - Fidel Castro mit preiswertem Öl zu beliefern und einen nach 60 Jahren auslaufenden Fördervertrag mit großen Ölkonzernen einfach nicht mehr zu verlängern - haben unbestechliche Medienbeobachter schon seit Monaten dazu geführt, einen unmittelbar bevorstehenden Putsch vorherzusagen ( Frieden durch Freihandel). Greg Palast - sein neues Buch "Best democracy money can buy" habe ich gerade beendet, sehr empfehlenswert! - warnte im Zusammenhang mit der Argentinienkrise ( Die World Trade Conspiracy): "Venezuela is next!" Das Neue Deutschland notierte im Februar: "Ein Putsch liegt in der Luft", John Pilger fragte am 11. März im "New Statesman": Venezuela - the next Chile? und unabhängige Online-Dienste wie www.narconews.com und www.vheadlines.com berichteten nahezu täglich über die sich anbahnende Strafaktion von Onkel Sam.
Vor einigen Wochen schon reisten Spezialisten der Abteilung "Psychologische Operationen" in Caracas an, um die lokalen Medienmonopole auf die "Berichterstattung" vorzubereiten. An der Heimatfront wurden von ABC, CNN, "New York Times" und "Washington Post" abwärts das Medientrommelfeuer gegen den "populären Diktator" und "Linkspopulisten" gestartet ... das übliche Programm eben. Doch dieses Mal hatten die amerikanischen Ölfreunde ihre Rechnung ohne das Internet und die unabhängigen Radios gemacht, die die Gleichschaltung der Mainstreammedien unterliefen und die Bevölkerung auf die Straße brachte. Al Giordano, Chefredakteur von narconews.com, beschreibt in einem spannenden Report diese Drei Tage, die die Medien schockten und die den Counter-Coup möglich machten.
Ich bin zwar nach wie vor überzeugt, dass die US-Geheimdienste über ein Vorauswissen der Anschläge vom 11. 9. verfügten und halte es auch nicht für ausgeschlossen, dass sie eine ganz oder teilweise unterwanderte Al-Qaida und ihren (Ex-)Agenten Bin Ladin als Werkzeug benutzten, doch nach dem Venezuela-Flop von Bushs außenpolitischer Klempnertruppe gilt es auch in Sachen CIA und 9-11 Murphys Law ins Kalkül zu ziehen - und die bösen Buben von der "Achse des Guten" in ihrer Kontrollmacht und Kompetenz nicht zu überschätzen. In Venezuela waren sie dumm genug, ihrer eigenen Propaganda - über den unbeliebten Präsidenten - zu glauben, und die unabhängigen Medien und ihren Schneeballeffekt völlig zu unterschätzen. In gewisser Weise könnte das Hoffnung auch für eine Aufklärung der WTC-Anschläge machen, denn auch hier würde der informationelle Counter-Coup - wenn überhaupt - aus dem Internet zu erwarten sein.
Unterdessen geht unsere reale Agentenstory um Navy Lt. Vreeland ( Let one happen, stop the rest) und seine merkwürdige Vorauswarnung auf erfreuliche Art weiter. Der gute Mann (bzw. jemand, der sich als Lt.Mike Vreeland ausgibt) hat jetzt eine eigene Website eröffnet und beantwortet Fragen. Ich weiß nicht recht, was ich davon halten soll, doch wenn Vreeland echt ist - einer der Poster fand heraus, dass schon sein Urgroßvater 1909 Chief Officer des Navy Geheimdienstes war, die Familientradition stimmt also -, dann steht Präsident Bush und den Seinen ihr wirkliches Schweinbucht-Debakel vielleicht noch bevor ...
Mathias Bröckers 09.05.2002
The WTC Conspiracy XLIV
"Die US-Geheimdiensts haben zugegeben, dass sie keinerlei aufgezeichnete Spuren gefunden haben, die zu den Anschlägen des 11. September führen. Bei der bisher ausführlichsten Darstellung der Untersuchung sagte der Chef des Federal Bureau of Investigation (FBI), dass Amerika nach fast sieben Monaten rastloser Fahndung keine harten Beweise gefunden habe, die mit den Anschlägen auf New York und Washington im Zusammenhang stehen."
Dies meldete BBC am 1. Mai 2002 - in einem kurzen Bericht, der kein besonderes Aufsehen erregte, geschweige denn, dass er es bis auf die Titelseiten der Weltpresse schaffte:
"Größte Polizeiaktion der Weltgeschichte erfolglos"
"Sieben Monate Großfahndung - keine Spur"
"Geheimdienste, Polizei und der 11.9.: Tiefschlaf trifft Inkompetenz"
So, oder so ähnlich, müssten die Schlagzeilen eigentlich lauten. Denn was gibt der FBI-Chef Richard Mueller als Grund für den grandiosen Fahndungs-Flop an:
"Die Entführer benutzten keine Laptops und speicherten nichts auf Computerfestplatten. Sie kleideten und verhielten sich wie Amerikaner."
Wow! Diese genialen Kriminellen, sie liefen weder mit Turban, Bart und finstrem Fundamentalistenblick durch die Gegend, sondern rasiert und smiley, und dann waren sie auch noch so raffiniert, ihre Pläne nicht auf Festplatten abzuspeichern oder schriftliche Aufzeichnungen herumliegen lassen. Mit derlei perfider Heimtücke kann natürlich niemand rechnen, und deshalb fragt bei den Pressekonferenzen wohl auch niemand nach, ob die Chefs von FBI, CIA oder NSA vielleicht daran gedacht hätten, wegen ihres völligen Versagens bei der Verhinderung bzw. Aufklärung des Falls, zurückzutreten.
Und es fragt auch niemand, wie die Behörden denn überhaupt zu der Vermutung gekommen sind, dass ein Herr Mohammed Atta und 18 weitere Täter diese Anschläge ausgeführt haben - auf den Passagierlisten, die von den Fluggesellschaften veröffentlicht wurden, tauchen sie nämlich gar nicht auf. Wer aber nicht auf der Passagierliste steht und beim Einchecken keine Identifikation auf diesen Namen vorweisen kann, kommt gar nicht erst ins Flugzeug.
Es fragt auch niemand nach der wahren Identität der 19 angeblichen Täter, von denen mindestens sieben Ausweise von unbeteiligten Personen benutzt haben - und vor allem interessiert es offenbar keine Menschenseele mehr, in welcher Verbindung diese 19 Phantomtäter eigentlich mit Usama Bin Ladin und seiner Terrortruppe "Al-Qaida" standen. "Die Pläne", so der FBI-Chef, "wurden im Ausland ausgeheckt und finanziert, womit schon vor fünf Jahren begonnen wurde." Auch hier fragt niemand nach, woher Dr. Mueller dieses Wissen über die langjährige Planung hat, wo doch nach sieben Monaten Fahndung keinerlei "hard evidence" gefunden wurde. Immerhin:
"Die Fahndung war enorm hilfreich, um herauszubekommen, nach was und wo wir suchen müssen, um Anschläge zu verhindern. Sie ermöglichte uns herauszufinden, wo wir als Nation Lücken in unserem Sicherheitssystem haben. Und sie gab uns den klaren und definitiven Beweis dafür, dass Al-Qaida hinter den Anschlägen steckte."
Man muss sich den Zynismus auf der Zunge zergehen lassen: Der größte Mordanschlag der Geschichte ist nach über einem halben Jahr völlig unaufgeklärt, kein einziger der Hintermänner wurde identifiziert oder gar festgenommen, keine der heißen Spuren der Aktien-Spekulationen wurde verfolgt, keiner der Mitwisser und Profiteure namhaft gemacht, geschweige den irgendein "klarer und definitiver Beweis" vorgelegt - und der Polizeichef stellt sich hin und verkauft dieses Debakel als "enorm hilfreich" für die Verhinderung weiterer Anschlägen.
Doch niemand schreit auf, bewirft ihn im Namen der Opfer mit Stinkbomben oder fragt auch nur dezent nach. Es wäre, wie die Los Angeles Times bereits andeutet, auch ohnehin sinnlos:
"Die globale Fahndung hat nahezu nichts an harten Beweisen über die Planung der Terroristen erbracht, und die Verantwortlichen sagten am Montag, dass sie der wachsenden Möglichkeit ins Auge sehen, viele der entscheidenden Details nie zu erfahren."
Willkommen in Brainwashington D.C. Willkommen in der größten Propaganda-Show aller Zeiten, willkommen in der Konsensmaschine. Geben Sie ihr Gehirn an der Garderobe ab, steigen Sie ein, enjoy and have fun! Achten Sie bitte auf unbeaufsichtigte Fragen, Pakete voller Ungereimtheiten und andere zweifelhafte Gepäckstücke und melden Sie diese sofort der Konsensaufsicht. Und vergessen Sie nicht, sich anzuschnallen - der 3. Weltkrieg ist schließlich keine Kaffeefahrt. Für mitreisende Journalisten und Medienleute hält unsere Presseabteilung noch ein besonderes Merkblatt bereit, verfasst John Swinton, dem Doyen der amerikanischen Presse und einstigen Redaktionsleiter der "New York Times":
"Bis zum heutigen Tag gibt es so etwas wie eine unabhängige Presse in der Weltgeschichte nicht. Sie wissen es und ich weiß es. Es gibt niemanden unter Ihnen, der es wagt, seine ehrliche Meinung zu schreiben, und wenn er es tut, weiß er im Voraus, dass sie nicht im Druck erscheint. Ich werde jede Woche dafür bezahlt, meine ehrliche Meinung aus der Zeitung herauszuhalten, bei der ich angestellt bin. Andere von Ihnen werden ähnlich bezahlt für ähnliche Dinge, und jeder von Ihnen, der so dumm wäre, seine ehrliche Meinung zu schreiben, stünde sofort auf der Straße und müsste sich nach einem neuen Job umsehen. Wenn ich meine ehrliche Meinung in einer Ausgabe meiner Zeitung veröffentlichen würde, wäre ich meine Stellung innerhalb von 24 Stunden los. Es ist das Geschäft der Journalisten, die Wahrheit zu zerstören, unumwunden zu lügen, zu pervertieren, zu verleumden, die Füße des Mammon zu lecken und das Land zu verkaufen für ihr tägliches Brot. Sie wissen es und ich weiß, was es für eine Verrücktheit ist, auf eine unabhängige Presse anzustoßen. Wir sind die Werkzeuge und Vasallen der reichen Männer hinter der Szene. Wir sind die Hampelmänner, sie ziehen die Strippen und wir tanzen. Unsere Talente, unser Fähigkeiten und unser ganzes Leben sind Eigentum anderer Menschen. Wir sind intellektuelle Prostituierte."
Swintons Statement vor dem vornehmen New Yorker Presseclub wurde nicht nach dem 11.9.2001 abgegeben, es stammt aus dem Jahr 1880 - doch aktueller als heute war es wohl nie.
Mathias Bröckers 22.05.2002
The WTC Conspiracy XLV
Ich schreibe diese Zeilen mit einem etwas mulmigen Gefühl: die Berliner Innenstadt ist schon einen Tag vor Bushs Ankunft ein Hochsicherheitstrakt, mindestens fünf Mal ist in den letzten zwei Stunden ein Hubschrauber über das Haus geflogen und abgesehen von dem nervigen Lärm stürzen diese Dinger ja gern mal ab. Und wenn ich mir vorstelle, dass dann hier im Hof nach irakischen Terroristen gefahndet wird oder alle Hausbewohner als potenzielle Al-Qaida-Unterstützer oder Anti-Bushisten erstmal vorläufig verhaftet würden ... So ein kleiner bis mittlerer Terroranschlag während des Besuchs in Europa käme ja nicht unpassend, um die laschen Europäer für einen Irak-Feldzug (bzw. die Finanzierung desselben nach der Regel "US fights, EU fonds, UN feeds") zu motivieren.
Vor allem Franzosen und Deutsche scheinen nicht bereit, weitere Kriegsabenteuer des US-Präsidenten zu finanzieren - zumal jetzt auch in den USA die Opposition der Demokraten wieder erwacht und sich der Skandal um die Nicht-Untersuchung des 11.9., die Nicht-Verfolgung von Bin Ladin und Al-Qaida und das Vorauswissen von Bush zu einer Regierungskrise ersten Ranges auswächst.
Noch mauert das Weiße Haus nach allen Regeln der Kunst, doch dass der Kettenhund der Regierung, Dick Cheney, seit Tagen nur denselben Ton kläfft - dass jede weitere Untersuchung "unpatriotisch" sei -, stimmt bedenklich. Wer so mit dem Rücken zur Wand steht - und neben der allgemeinen Wirtschaftskrise stürmt auch noch der Mega-Skandal "Enron" auf die Bush-Administration ein - ist angeschossen; und da angeschossene Cowboys oft blindlings um sich schießen, wirkt Bushs Werbung für die Eliminierung der "Achse des Bösen" immer weniger glaubwürdig. Braucht er den Krieg gegen Saddam nicht nur, um zu Hause seine Haut zu retten?
"Was wußte der Präsident und wann wußte er es?", lautete die berühmte Watergate-Frage. Seit Mitte Mai bekannt wurde, dass in zwei FBI-Memos aus dem Juli 2001 und in einem CIA-Briefing an Präsident Bush am 6. August vor der bevorstehenden Gefahr durch terroristische Flugzeugentführungen gewarnt wurde, gerät die Legende vom "Überraschungsangriff" auch in den Mainstream-Medien ins Wanken. Die lauter werdenden Vorwürfe gegen den Präsidenten, Warnungen nicht ernst genug genommen zu haben, werden zwar noch nicht dazu führen, dass das gesamte Kartenhaus einstürzt - Sollbruchstellen wie "Koordinationsmängel", "Bürokratie", "Schlamperei" deuten sich aber bereits an, ein Bauernkopfer in Form eines leitenden CIA-Manns wurde schon gebracht.
Doch wenn die aus ihrer selbstverordneten Trance langsam erwachenden Medien neben den bis dato öffentlich diskutierten Warnungen auch noch die ganze Geschichte des Vorauswissens zur Kenntnis nehmen, könnte es für Bush alsbald richtig eng werden. Zumal zwei der spannendsten Geschichten über die mögliche Verhinderung der Attentate in den USA bisher nur im Internet publiziert werden: die Hintergründe des Rücktritts des höchsten FBI-Terrorfahnders John O'Neill ( In Memoriam John O'Neill - der kaltgestellte Jäger Bin Ladins starb im WTC) im Juli 2001 und die Vorauswarnungen des in Kanada inhaftierten Navy-Spions Delmart Vreeland vom August 2001 ( Let one happen, stop the rest). Doch das Leck im Stonewall um die Vorgänge des 11.9. scheint geschlagen, der Ton in den Medien wandelt sich und es wird nicht mehr lange dauern, bis auch diese Fälle öffentlich diskutiert werden.
Überdies hat der innenpolitisch in die Klemme geratene Ariel Scharon aus Israel jetzt unter der Hand eine Breitseite in Sachen Vorauswissen des US-Präsidenten abgefeuert hat. Wie der irische Geheimdienst-Newsletter Global Intel berichtet, soll Scharon der Veröffentlichung sensitiver Mossad-Dokumente zugestimmt haben, die belegen, wann und wie der israelische Geheimdienst die CIA über die drohenden Attacken informiert hat. Gemäß den Dokumenten, die teilweise auch dem englischen "Sunday Express" vorlagen, standen einige der Hijacker des 11. September unter 24-Stunden Beobachtung des Mossad. Gordon Thomas, Herausgeber von "Global Intel" schreibt am 21.Mai:
"Die in den geheimen Dokumenten enthaltenen Details zeigen, dass ein leitender Mossad-Agent seinem Kollegen von der Central Intelligenz Agency Hinweise gab, dass ein großer terroristischer Anschlag in den USA vorbereitet werde. Ein Handvoll Spione hatte die Al-Qaida-Organisation unterwandert, während erstaunliche 120 weitere, die sich als Kunststudenten aus Übersee ausgaben, eine große Undercover-Operation in ganz Amerika durchführten.
Andere Dokumente, die der Sunday Times von verschiedenen Geheimdiensten und der Drug Enforcement Agency vorliegen, zeigen, dass zwei Mossad-Zellen, bestehend aus sechs in Ägypten und Jemen geborenen Juden, in einer geheimen Basis in der israelischen Negev-Wüste ausgebildet wurden, um Usama Bin Ladins Netzwerk zu unterwandern. Ein Team flog nach Amsterdam und stand unter der Leitung der Europa-Abteilung des Mossad, die am Flughafen Schiphol im "El Al"-Gebäude stationiert ist. Es trat später in Kontakt mit Mohammed Atta in Hamburg, dem führenden Hijacker am 11. September. Die zweite Gruppe flog direkt nach New York. Von dort reisten sie nach Süd-Florida und infiltrierten die Bin Ladin Organisation. Im August letzten Jahres flog das europäische Mossad-Team mit einigen der Hamburger Terroristen nach Boston, einen Monat vor der Attacke auf die Twin Towers.
Zu diesem Zeitpunkt hatte das Mossad Team mitgeteilt, dass eine Attacke auf die USA "nahe bevorsteht". Es berichtete dies an die Kontrollstelle in Tel Aviv und benutzte dazu ein sichereres Kommunikationssystem in Israels Washingtoner Botschaft. Anfang September sandte der Mossad Chef Efraim Halevy eine Warnung an die CIA über die Möglichkeit einer solchen Attacke. Die Warnung wurde empfangen und bestätigt. Aber von CIA Chef Tenet heißt es, er habe sie als "zu unspezifisch" beschrieben. Das FBI wurde ebenfalls informiert. Halevy sandte eine zweite Warnung an die CIA um den 7. September. Ein Sprecher des FBI verweigerte die Diskussion weiterer Details der Mossad-Operation mit dem Hinweis: "Es laufen Kongreß-Anhörungen zu möglichen Geheimdienstfehlern im Zusammenhang mit dem 11. September. Wir können ihre Informationen nicht bestätigen, da es sich um ein Teil des laufenden Verfahrens handelt."
Auch wenn die offizielle Bestätigung dieser Geschichte also noch aussteht, im Zusammenhang mit dem in den US-Medien immer noch unterdückten Spionageskandal mit Dutzenden inhaftieren Israelis (siehe: Im Minimalkonsens voraus) macht sie ebenso Sinn, wie in Scharons augenblicklicher Situation. Nachdem sein Erzrivale Nethanjahu und eine Mehrheit der Partei vergangene Woche den Palästinenserstaat ablehnten, den Bush (und die UN) ihm aufzwingen, sieht Scharon wohl keine andere Möglichkeit mehr, als den ungeliebten US-Präsidenten mit dieser Veröffentlichung jetzt ins Zentrum des Sturms zu rücken. Mit den bis dato vom Weißen Haus gebetsmühlenhaften wiederholten Statements, dass die Vorausinformationen "zu allgemein" und "zu unspezifisch" waren, um darauf reagieren zu können, wäre es nicht mehr weit her, wenn sich bestätitgt, dass Mossad-Agenten Herrn Atta bis zur Tatortbesichtigung nach Boston begleitet haben, die Flugfortschritte der anderen Piloten in Florida beaufsichtigten - und der CIA regelmäßig darüber berichteten.
Ohne einen spektakulären Anschlag, ohne die Angst davor, die mit neuerdings täglichen Meldungen über bevorstehende Terrrorszenarien geschürt wird, ohne die Masse weiter in Panik und in dem Glauben zu halten, dass diese Regierung für ihre Sicherheit sorgen wird - kurz: nur eine Fortsetzung und Verschärfung des "war on terror" kann verhindern, dass ab sofort die Jagd auf diesen Präsidenten eröffnet wird. Und ein "impeachment", wie es wegen des Zigarrenzwischenfalls seines Vorgängers recht war, nun im Falle von Bushs "fahrlässigem" (?) Opfer der Twin Towers allemal billig scheint.
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